In Feldkirch und Bregenz drohen der ÖVP empfindliche Verluste

19. Februar 2015, 16:33
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SPÖ-Chef Ritsch will die Vorarlberger Landeshauptstadt übernehmen, in Feldkirch hofft Bürgermeister Berchtold auf Vergebung

Bregenz – In ihrer Hochburg Feldkirch, wo die ÖVP im Jahr 2010 noch 67 Prozent schaffte, muss sie nun um die Absolute zittern. Ein Minus von 21 Prozentpunkten prognostiziert eine Umfrage, die von den "Vorarlberger Nachrichten" in Auftrag gegeben wurde. Bürgermeister Wilfried Berchtold könnte in der Direktwahl von 76 auf 52 Prozent fallen.

Zum Vertrauensverlust dürfte ein Prozess wegen Vergewaltigung beigetragen haben, den Berchtolds langjährige Geliebte 2010 anstrengte. Der Bürgermeister wurde im Zweifel freigesprochen, die Art und Weise, wie er und die Feldkircher Volkspartei mit den Vorwürfen umgingen, hatte aber zu Kritik geführt.

Bei der Fernsehdiskussion zur Gemeindewahl empörte sich Grünen-Stadträtin Marlene Thalhammer in der Schlussrunde: "Es kann doch nicht sein, dass man in einer Podiumsdiskussion nicht anspricht, dass der Bürgermeister eine Gerichtsverhandlung hinter sich hat." Thalhammer wurde ausgebuht. Reaktion auf dem Podium: betretenes Schweigen. Berchtolds Optimismus ist ungetrübt: "Ich vertraue der eigenen Zuversicht mehr als Umfragen."

Rote gehen aufs Eis

Ebenfalls zweistellig verlieren könnte die Volkspartei in Bregenz. Bürgermeister Markus Linhart werden in der Direktwahl nur noch 38 Prozent (2010: 56 Prozent) prognostiziert. Das beflügelt SP-Chef Michael Ritsch, der am Donnerstag seinen Wahlkampf startete. Sein Ziel lautet Stichwahl, wie 2005. Da unterlag er Linhart lediglich um 569 Stimmen.

Nun soll der Sprung an die Spitze endlich gelingen. Dafür begibt sich Ritsch, der im Landtagswahlkampf 2014 mit Gartenzwergen warb, aufs Eis. Die Forderung nach einem Eislaufplatz für Bregenz ist Hauptthema. Werbegag ist ein alter Bus, der täglich zum Eislaufplatz in der Nachbargemeinde Hard pendelt.

Der Eislaufplatz stehe für weitere familien- und jugendpolitische Forderungen: kostenlose Kinderbetreuung, Jugendtreffs in allen Stadtvierteln, mehr Startwohnungen. Die jüngste SP-Kandidatin, die 20-jährige Deniz Cebeci, hat einen sicheren Listenplatz. (Jutta Berger, DER STANDARD, 20.2.2015)

  • Vorarlbergs SPÖ-Chef Michael Ritsch will Bürgermeister von Bregenz werden. Und wenn er dafür kopfstehen muss.
    foto: berger

    Vorarlbergs SPÖ-Chef Michael Ritsch will Bürgermeister von Bregenz werden. Und wenn er dafür kopfstehen muss.

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