Profitieren vom Schockieren

23. Februar 2015, 06:05
1 Posting

Skandale schaden Unternehmen? Nicht unbedingt - haben Wissenschafter der Universität Sussex herausgefunden

Korruption, Untreue, schlechte Behandlung der Mitarbeiter, Überwachung, Umweltschäden - die Liste möglicher Skandale für Unternehmen ist lang und wird immer wieder aufs Neue bedient. Ökonomen der Universität Sussex haben sich nun mit den Auswirkungen solcher Skandale beschäftigt und kamen zu überraschenden Ergebnissen.

Ist der Ruf erst ruiniert,...

In ihrer Studie analysierten die Forscher Aktienkurse von 80 US-amerikanischen Unternehmen, bei denen es in der Vergangenheit zum Eklat kam. Mit dabei: Apple, Hewlett Packard, IBM, JP Morgan und Yahoo.

Einen langfristig negativen Effekt auf die Aktienkurse konnten die Forscher dabei nicht nachweisen. "Es ist eher so, dass die Gesamtleistung der Unternehmen in den Jahren nach den Skandalen gestiegen ist", heißt es in der Studie. Die notwendigen Rettungsmaßnahmen - seien es massive Werbekampagnen oder Ausgleichszahlungen - würden die Einnahmen der Unternehmen steigern und zu mehr Effizienz führen. Skandale wirken - so die Studienautoren - sogar als Katalysator.

Kurzfristiger Schaden

Ganz so positiv sind die Unternehmensskandale dann aber doch nicht. In den ersten Monaten nach einer solchen Krise können die Folgen fatal sein und die Unternehmen massiv schwächen. Etwa wenn Strafen gezahlt werden, wichtige Mitarbeiter entlassen werden oder Stellen gestrichen werden. In fast allen untersuchten Fällen stürzte der Aktienkurs im ersten Monat nach Bekanntwerden des Skandals um bis zu zehn Prozent ab, was zu einem durchschnittlichen Verlust von 1,9 Milliarden US-Dollar führe.

Der Schock währt aber meist nicht lange: nur drei Jahre nach den Skandalen konnten die betroffenen Unternehmen wieder zur Konkurrenz aufschließen - sowohl im Hinblick auf den Aktienkurs, als auch auf die Einnahmen bezogen. (lhag, derStandard.at, 19.2.2015)

  • Der Skandal um rückdatierte Aktienoptionen bei Apple löste einen jahrelangen Streit aus. Tausende Optionen sollen manipuliert worden sein, darunter auch einige vom damaligen Konzernchef Steve Jobs. Der Vergleich kostete Apple 14 Millionen Dollar.
    foto: ap

    Der Skandal um rückdatierte Aktienoptionen bei Apple löste einen jahrelangen Streit aus. Tausende Optionen sollen manipuliert worden sein, darunter auch einige vom damaligen Konzernchef Steve Jobs. Der Vergleich kostete Apple 14 Millionen Dollar.

  • Im Handelsskandal bei der Bank JP Morgan 2012 ging es um den Londoner Händler Bruno  Iksil, der mit riskanten Derivate-Geschäften 6,2 Milliarden Dollar  vernichtete. Der Skandal ist unter dem Namen "Wal von London" bekannt geworden, den Spitznamen bekam der Banker wegen der enormen Größe der Wetten.
    foto: ap

    Im Handelsskandal bei der Bank JP Morgan 2012 ging es um den Londoner Händler Bruno Iksil, der mit riskanten Derivate-Geschäften 6,2 Milliarden Dollar vernichtete. Der Skandal ist unter dem Namen "Wal von London" bekannt geworden, den Spitznamen bekam der Banker wegen der enormen Größe der Wetten.

Share if you care.