Geringer Anstieg bei Einbürgerungen

19. Februar 2015, 12:56
211 Postings

7.693 Personen erhielten im vergangenen Jahr die österreichische Staatsbürgerschaft, ein Zuwachs von 3,7 Prozent gegenüber 2013. Zehn Jahre davor war der Wert noch fast sechsmal höher

Wien - 7.693 Menschen haben im Vorjahr die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten. Das ist ein Anstieg von 3,7 Prozent gegenüber 2013, wie Statistik Austria bei der Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen am Donnerstag berichtete.

37,1 Prozent der eingebürgerten Personen wurden bereits in Österreich geboren, 39,1 Prozent waren zum Zeitpunkt der Vergabe unter 18 Jahre alt. Mit 1.120 Menschen besaß eine relative Mehrheit der neuen Österreicher zuvor einen Pass des Staates Bosnien und Herzegowina, 885 waren bisher türkische, 671 serbische, 433 russische und 381 kosovarische Staatsbürger.

55,5 Prozent der Einbürgerungen erfolgten nach einem Rechtsanspruch. Von diesen 4.270 Personen wurden 2.219 eingebürgert, weil sie mindestens sechs Jahre in Österreich wohnten und ein Anrecht aus besonders berücksichtigungswürdigen Gründen hatten. Weitere 378 Menschen erhielten aufgrund eines mindestens 15-jährigen Wohnsitzes und nachhaltiger Integration einen hiesigen Pass.

In 1.230 Fällen wurde die Staatsbürgerschaft nach Ermessen vergeben, 1.153 der Antragsteller wohnen seit mindestens zehn Jahren im Land. Unter dem Titel "Erstreckung der Verleihung" wurden 248 Ehegatten und 1.945 Kinder eingebürgert. (Definitionen siehe unten)

Meiste neue Österreicher in Wien, Ober- und Niederösterreich

In absoluten Zahlen wurden die meisten Menschen in Wien (2.632 positiv beschiedene Anträge), Oberösterreich (1.283) und Niederösterreich (1.152) eingebürgert, die wenigsten im Burgenland (150). 123 der eingebürgerten Personen hatten einen Wohnsitz im Ausland.

Verglichen mit dem Jahr davor stieg 2014 die Zahl der Einbürgerungen in vier Bundesländern, in fünf Ländern wurden weniger neue Pässe ausgegeben als 2013. Deutlich mehr Nostrifikationen gab es in der Steiermark mit plus 20 Prozent, in Wien mit plus 8,6 Prozent, im Burgenland mit plus 7,9 Prozent und in Oberösterreich mit plus 0,4 Prozent. Weniger Staatsbürgerschaften wurden in Niederösterreich (minus 1,6 Prozent), Salzburg (minus 2,6 Prozent), Kärnten (minus 4,3 Prozent), Vorarlberg (minus 5,1 Prozent) und Tirol (minus 9,2 Prozent) vergeben.

Fortsetzung der Tendenz der vergangenen Jahre

Ohne Berücksichtigung der unmittelbaren Nachkriegszeit war 2003 das Rekordjahr bei Einbürgerungen. Damals wurde mit 45.112 Menschen noch fast sechsmal mehr Ausländern ein österreichischer Pass verliehen als 2014.

Von 2003 bis 2010 wurde die Vergabe von Staatsbürgerschaften massiv gedrosselt, seit diesem Tiefststand steigen die Einbürgerungszahlen wieder leicht an. Mit den aktuellen Zahlen setzt sich dieser Trend fort.

Der Veröffentlichung der jüngsten Zahlen folgte auch eine politische Reaktion. Laut der grünen Integrationssprecherin Alev Korun spricht die Statistik für die sofortige Einbürgerung von in Österreich Geborenen: "Wir erklären hier geborene Kinder zuerst zu Ausländern, obwohl sie das Ausland gar nicht gesehen haben, um sie dann in langwierigen, teuren und bürokratischen Verfahreneinzubürgern. Das ist sinnbefreit und teuer."

Es werde nichts mit dem neuen Wir-Gefühl, "so lange die Regierung hier integrationsunwillig bleibt und hier geborene und aufwachsende Kinder nicht integriert, sondern trennt", sagte Korun. (Michael Matzenberger, derStandard.at, 19.2.2015)


Hintergrund: Anspruch auf die österreichische Staatsbürgerschaft

Definitionen: Eine Einbürgerung nach Anspruch erfolgt nach Paragraf 11a Absatz 4 des Staatsbürgerschaftsgesetzes. Voraussetzung sind sechs Jahre Aufenthalt im Bundesgebiet und entweder Geburt in Österreich, Staatsangehörigkeit eines EWR-Staates, ein berechtigter Asylstatus oder besondere Verdienste um die Republik. Bei der Rechtsgrundlage des Ermessens entscheidet die zuständige Behörde, ohne dass ein Anspruchskriterium erfüllt werden muss. Erstreckung der Verleihung bezeichnet den Erwerb der Staatsbürgerschaft als Ehepartner oder Kind eines Österreichers oder einer Österreicherin.

In allen Fällen ist "das Gesamtverhalten der Antragstellerin oder des Antragstellers im Hinblick auf das allgemeine Wohl, die öffentlichen Interessen und das Ausmaß der Integration" ausschlaggebend. Berücksichtigt werden dafür die völlige Unbescholtenheit, gesicherter Lebensunterhalt, Deutschkenntnisse, kein Naheverhältnis zu einer extremistischen oder terroristischen Gruppierung und eine "bejahende Einstellung zur Republik Österreich und Gewährleistung, dass keine Gefahr für die öffentliche Ruhe, Ordnung und Sicherheit besteht".

Die Statistik der Einbürgerungen basiert auf den Angaben aus den rechtskräftigen Bescheiden der Ämter der Landesregierungen Österreichs über die Verleihung der Staatsbürgerschaft und wird im Auftrag des Bundesministeriums für Inneres durchgeführt. Die vorliegenden Ergebnisse sind vorläufig, da vor dem 1. September 1983 geborene minderjährige eheliche und legitimierte Kinder wegen einer Gesetzesnovellierung 2013 noch bis Ende April 2014 einen Antrag auf Erwerb der Staatsbürgerschaft stellen konnten. Einige dieser Verfahren werden erst heuer erledigt.


Link

Statistik Austria: Zahl der Einbürgerungen im Jahr 2014 um 3,7 % gestiegen

  • 2014 wurden 7.693 Menschen eingebürgert.
    foto: apa/hans klaus techt

    2014 wurden 7.693 Menschen eingebürgert.

Share if you care.