Experten fordern Ausbau der Ökosystemforschung in Österreich

19. Februar 2015, 11:29
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Wissenschafter beklagen schlechte Rahmenbedingungen und legen Lösungsvorschläge in einem Weißbuch dar

Wien - Umweltforscher schlagen Alarm: "Die Rahmenbedingungen für die Ökosystemforschung in Österreich haben sich über die letzten Jahre dramatisch verschlechtert", schreiben sie in einem am Donnerstag in Wien veröffentlichten Weißbuch. Es sei dringend nötig, hierzulande einen Schwerpunkt in Umwelt- und Ökosystemforschung zu setzen und bestehende Forschungsstandorte langfristig zu sichern.

Während sich in Österreich die Bedingungen für die langfristige Erforschung von Ökosystemen verschlechtern, würden etwa in Deutschland innovative Großinvestitionen in dem Wissenschaftsfeld erfolgen, so die Experten der Österreichischen Gesellschaft für ökologische Langzeitforschung (LTER-Austria) in dem "Weißbuch zur langfristigen Ökosystem-Forschung in Österreich". Wenn man den Anschluss an die internationale Entwicklung nicht verpassen wolle, müsse man hierzulande dringend Infrastrukturen und Projekte in diesem Bereich nachhaltig sicherstellen.

Unzureichende Bedingungen

Die Sicherung von Ökosystem-Leistungen und Anpassungen an den globalen Wandel hätten zwar international hohe Priorität, in Österreich seien die Rahmenbedingungen für die Forschung in diesem Bereich aber unzureichend. "Wir schlagen einen Forschungscluster vor, der die Aktivitäten und Infrastrukturen in Österreich abstimmt und vernetzt", so Michael Mirtl von LTER- Austria in einer Aussendung des Umweltbundesamtes.

Die Wissenschafter wollen erforschen, wie lokale und globale Ökosysteme über Jahrzehnte bis Jahrhunderte auf Klimawandel, invasive Arten, die menschliche Nutzung und Ähnliches reagieren. Das könne man in den üblicherweise kurzfristigen österreichischen Forschungsprojekten mit zwei bis drei Jahren Laufzeit selten erkennen und richtig interpretieren, so die Kritik.

Wie relevant Langzeit-Messungen sind, hätten etwa die Luft-Schadstoffmessungen in den 1970er und 1980er-Jahren gezeigt. Der dabei registrierte Schadstoffanstieg führte zu einem Verbot von Blei im Benzin und einer Reduktion von Schwefel im Heizöl, was die Luftqualität nachhaltig verbesserte. LTER-Austria würde derzeit Grundlagenwissen etwa zum globalen Kohlenstoffhaushalt und der Anpassung an den Klimawandel liefern, so die Experten in dem Weißbuch. (APA, 19.2.2015)

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