25 Jahre Photoshop: Das Tool, das die Realität verbiegt

19. Februar 2015, 10:27
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Am 19. Februar 1990 erschien Version 1.0 der heute weit verbreiteten Software

1989 wurde das Softwareunternehmen Adobe auf ein kleines Programm aufmerksam, das der US-Student Thomas Knoll zwei Jahre zuvor unter dem Namen "Display" geschrieben hatte. Zunächst nur zur Bildbetrachtung auf Schwarz-Weiß-Monitoren gedacht, hatten Knoll und sein Bruder John die Software zur Bearbeitung von Fotos weiterentwickelt. Adobe erwarb eine Lizenz des inzwischen in Photoshop umbenannten Programms und brachte es am 19. Februar 1990 in Version 1.0 heraus. Eines der heute am weitesten verbreiteten Bildbearbeitungsprogramme war geboren.

screenshot: red
Seit 1990 wird mit Photoshop die Realität verbogen. Screenshot von Photoshop CS5 (2010).
foto: adobe
Anfangs über Disketten verbreitet ist Photoshop mittlerweile in der Cloud und auf mobilen Endgeräten angekommen.

Zehn Millionen Nutzer

Die Weiterentwicklung von Bildbetrachtung zu Bildbearbeitung hatte vor allem John Knoll forciert. Für seine Arbeit bei Industrial Light & Magic, das unter anderem für die Spezialeffekte bei "Star Wars" verantwortlich zeichnete, benötigte er ein Werkzeug um Computerbilder zu bearbeiten.

foto: adobe
Die Photoshop-Erfinder Thomas (links) und John Knoll.

Noch bevor Adobe die Lizenz erworben hatte, wurde Photoshop an den Scanner-Hersteller Barneyscan unter dem Namen "Barneyscan XP" lizenziert. Damals wurden lediglich 200 Kopien verkauft. Unter Adobes Hand sollte sich das Programm mit der voranschreitenden Digitalisierung jedoch schnell zum Verkaufshit entwickeln. In den ersten zehn Jahren wurden drei Millionen Kopien verkauft. Heute nutzen laut dem Softwareunternehmen etwa zehn Millionen Menschen die Software.

foto: www.creativebits.org.
Eine der ersten Versionen.
screenshot: red
Photoshop Elements heute.

Vom Mac-Programm in die Cloud

In den ersten Jahren war Photoshop noch exklusiv für Apples Mac erhältlich. Erst ab dem Jahr 1992 wurde mit Version 2.5 auch Windows unterstützt. Mit jeder neuen Version kamen seither weitere Werkzeuge hinzu - 1994 beispielsweise die Ebenen, 1998 die Änderungshistorie, 1999 die Möglichkeit Bilder "für Web" abzuspeichern.

foto: adobe
Stark verändert haben sich auch die sogenannten "Splash Screens", die beim Start des Programms angezeigt werden. Die Entwickler verstecken hier auch gerne scherzhafte Easter Eggs.

Einen weiteren Meilenstein verzeichnete Photoshop im Jahr 2009 - Adobe veröffentlichte seine ersten Apps zur Bildbearbeitung auf iPhones und Android-Smartphones. 2013 wanderte Photoshop mit den anderen Programmen von Adobe in die "Creative Cloud". Der Source Code von Version 1.0.1 ist inzwischen vom Computer History Museum veröffentlicht worden.

Unter Privatnutzern populär

Das Programm wurde auch unter Privatnutzern populär, war aufgrund seiner teuren Lizenzen jedoch kaum erschwinglich. 2001 brachte Adobe die abgespeckte Version Photoshop Elements heraus. Zahlreiche Amateurgrafiker schätzten die Vollversion jedoch mehr und so wurde die Software auch zur heißen Waren in Tauschbörsen.

Gerade aber bei Apps für Privatanwender hat das Unternehmen heute starke Konkurrenz. In den App Stores gibt es unzählige Tools, die es erlauben mit wenigen Schritten Portraitfotos zu verbessern oder simple Foto-Collagen zu erstellen. Auch sind Bearbeitungswerkzeuge mittlerweile fixer Bestandteil vieler anderen Apps und mobilen Betriebssysteme.

Ein Körper, verschiedene Köpfe - Photoshop eröffnete auch das Zeitalter der digitalen Bildmanipulation,

Photoshop-Fails

Das Wort Photoshop ist inzwischen zum Synonym für Bildbearbeitung geworden, ruft damit jedoch nicht unbedingt immer positive Assoziationen hervor. Das Programm macht es einfach, Fotos zu manipulieren. So ist damit auch eine rege Debatte um retuschierte Fotos in den Medien entstanden. Wenn etwa Menschenmassen auf Demonstrationen zu politischen Zwecken vergrößert oder die Körper von Models unnatürlich verlängert oder verschlankt werden. Mitunter sind die Manipulationen so offensichtlich, dass sich mehrere Blogs nur diesen Patzern widmen. Photoshop-Desasters etwa oder Photoshopbattles auf Reddit. (Birgit Riegler, derStandard.at, 19.2.2015)

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