Wasserweg in Norditalien soll Lkw-Aufkommen reduzieren

20. Februar 2015, 10:57
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Ein umweltverträglicher Transport zwischen Mailand und Venedig ist geplant. Noch fehlen die finanziellen Mittel

Der Wasserweg Mailand-Venedig soll wieder schiffbar werden. Eine von der EU finanzierte Machbarkeitsstudie sieht die Erneuerung des Kanalnetzes und die Reinigung des Flusses Po vor. Das Projekt soll in den Infrastrukturplan der Regierung aufgenommen werden. Noch fehlen die 2,5 Milliarden Euro, die für eine Umsetzung notwendig sind.

Die Regionen Lombardei und Venetien bestätigen jedoch, dass sie das Projekt finanziell unterstützen wollen. Die Schiffslinie soll dem Tourismus Impulse verleihen und den Warenverkehr über den Seeweg fördern.

Ziel ist, dass täglich bis zu 300 Lkws auf den Straßen eingespart werden. Der Warentransport pro Schiff von Mailand zur Oberen Adria könnte laut der Studie 1500 Tonnen pro Tag ausmachen. Rund 550 Kilometer sollen insgesamt befahrbar gemacht werden. Zwölf Provinzen und 170 Gemeinden sind vom neuen Projekt betroffen.

Es handelt sich um eine landschaftlich äußerst differenzierte Strecke, die von den Alpen über Naturparks (Tessin, Mincio) an den Villen der Riviera di Brenta vorbei bis zur Lagune führt. Auch der Schweizer Kanton Ticino (Locarno) könnte über den Lago Maggiore-Ticino mit dem neuen Verkehrsweg verbunden werden.

Das Projekt hat seine Schattenseiten. Denn um einen reibungslosen Schiffsverkehr zu garantieren, wäre die Errichtung von zig kleineren Dämmen notwendig. Dies ist aber den Bauern in der landwirtschaftlich geprägten Po-Ebene ein Dorn im Auge. Sie bangen um das Wasser für ihre Felder, da durch den Wasserweg der Pegel des Flusses Po mit Schleusen stabil bleiben müsste.

Bei dem Wasserweg Mailand-Venedig handelt es sich um kein neues Projekt. Bereits im 18. Jahrhundert dienten die Flüsse und Kanäle zwischen den Städten als Transportstraßen. Mit dem Ausbau des Schienen- und Straßenverkehrs hat die Route aber an Bedeutung verloren. Die neue Wasserstraße soll vorerst von Truccazzano an der Pforte Mailands nach Ravenna und Venedig verlaufen. Truccazzano hat insofern strategische Bedeutung, als es an die neue Autobahn Brebemi (Brescia-Bergamo-Mailand) angeschlossen ist. Von Truccazzano soll ein schiffbar gemachter Kanal bis nach Cremona errichtet werden.

Po-Städte profitieren

Ursprünglich war geplant, das Projekt für die im Mai beginnende Mailänder Weltausstellung Expo 2015 zu konkretisieren. Doch die Umsetzung scheiterte. "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben", sagte dazu Architekt Empio Malara. Der Mailänder ist einer der größten Befürworter und verweist auf die ökologischen Vorteile.

Zunächst müsste der innerhalb der letzten Jahrzehnte stark verschmutzte Fluss Po gesäubert werden. Eine Aktion, die zweifellos zur Verbesserung der Lebensqualität in den Po-Städten führen würde. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, 20.2.2015)

  • Der Wasserweg soll über Kanäle und den Po bis zur Adria verlaufen.
    grafik: der standard

    Der Wasserweg soll über Kanäle und den Po bis zur Adria verlaufen.

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