Shoppinglaune erstmals spürbar gesunken

18. Februar 2015, 17:34
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Minus 8,8 Prozent bei Tax-Free-Umsatz in Österreich - Russland vor China

Wien - Das Platzen der Internetblase um das Jahr 2000 und die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 1998 hatten wenig bis kaum Auswirkungen auf das Konsumverhalten von Touristen. Die jüngste Krise rund um Russland ist anders. Erstmals sind 2014 die Tax-Free-Umsätze ausländischer Touristen in Österreich gesunken - um 8,8 Prozent.

Für die Zurückhaltung bei den Shoppingausgaben macht man beim international tätigen Finanzdienstleister Global Blue verschiedene Faktoren verantwortlich. "Da ist die Krise in der Ukraine zu nennen, die vor einem Jahr ausgebrochen ist; ein weiterer wichtiger Grund ist das gespannte Verhältnis der EU zu Russland inklusive Verfall des Rubelkurses. Und dann das neue chinesische Tourismusgesetz. Das hat die Ausgaben chinesischer Gäste gebremst," sagte der Geschäftsführer von Global Blue Österreich, Gerd Gfrerer, bei der Präsentation der Bilanz zur Mehrwertsteuerrückvergütung an Touristen aus Nicht-EU-Ländern.

Nach Jahr für Jahr kräftigen Zuwächsen haben sich im Berichtsjahr auch erstmals die Shoppingausgaben russischer Gäste in Österreich um 20,4 Prozent verringert. Vor allem die russische Mittelschicht leide unter den geänderten Rahmenbedingungen, weiß Grerer: "Durch den Wertverlust des Rubel von bis zu 60 Prozent sind viele gar nicht verreist oder haben, wenn doch, weniger ausgegeben."

Schweizer stürmen Geschäfte

Trotz weniger weit geöffneter Geldbörsen ließen russische Reisende im Vorjahr in Österreich die Kassen dennoch am häufigsten klingeln. Insbesondere für Designermode und Bekleidung wurde Geld ausgegeben - pro Transaktion gaben sie 430 Euro aus (siehe Grafik). Der Anteil russischer Touristen an den gesamten Tax-Free-Einkäufen machte im Vorjahr 24,5 Prozent aus.

Dicht dahinter folgen mit einem Anteil von 24,1 Prozent Gäste aus China. Diese dürfte in absehbarer Zeit - voraussichtlich 2016 - Russland als ausgabenfreudigste Nation ablösen.

Die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Tourismusgesetz, das Peking im Oktober 2013 erlassen hat, habe sich gelegt, sagte Gfrerer. Dieses bedroht chinesische Reiseleiter mit Lizenzentzug, wenn Gäste gegen deren Willen zu Kaufaktionen gedrängt werden.

Einen Ansturm auf Rückvergütungsformulare hat Global Blue im Jänner in Vorarlberg registriert. Grund sind Schweizer, die wegen des starken Franken vermehrt Einkäufe des täglichen Bedarfs in Österreich erledigen. (stro, DER STANDARD, 19.2.2015)

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