Burma verhängt Kriegsrecht im Nordosten

18. Februar 2015, 16:58
14 Postings

Tausende fliehen vor Kämpfen zwischen Armee und "Myanmar National Democratic Alliance Army"

Naypyidaw/Rangun/Wien - Die Regierung von Burma (Myanmar) hat in der Nacht zum Mittwoch das Kriegsrecht in dem im Norden gelegenen Teilstaat Shan verhängt. Dort waren zuletzt wieder stärkere Kämpfe zwischen der Armee und der Myanmar National Democratic Alliance Army (MNDAA) ausgebrochen, die sich als Vertreterin der in der Region lebenden ethnischen Han-Chinesen sieht. Die Kontrolle in der Region geht damit für vorerst drei Monate von der Regierung auf das Militär über.

Bei den vor rund einer Woche neu ausgebrochenen Kämpfen in der seit 2009 weitgehend friedlichen Region waren zuvor dutzende Kämpfer der MNDAA und mindestens 50 Soldaten getötet worden. Außerdem sind mehr als 30.000 Menschen auf der Flucht, die meisten in die Volksrepublik China. Am Dienstag war dabei auch ein vom Roten Kreuz geleiteter Flüchtlingskonvoi unter Beschuss geraten, eine Frau soll dabei getötet worden sein.

Die MNDAA war lange Zeit Teil der Kommunistischen Partei Burmas, einer von Peking unterstützten Guerilla-Bewegung. Bis zu einem 2009 auf Basis der neuen burmesischen Verfassung unterzeichneten Waffenstillstandsabkommen kontrollierte sie weite Teile der Region. Heute soll sie sich großteils aus den Einkünften des illegalen Opiumhandels in der Grenzregion finanzieren, heißt es. Andere Gruppen handeln dort mit verbotenen Hölzern und geschützten Tieren.

China bestreitet Unterstützung der Rebellen

China hat alle Seiten zur Ruhe aufgerufen und seine Besorgnis über die hohe Zahl an Flüchtlingen ausgedrückt. Die Regierung in Peking wies auch Vorwürfe zurück, sie unterstütze die Rebellen. Ein burmesischer Regierungsvertreter hatte zuvor auf Twitter von einer "chinesischen Invasion" geschrieben. Ein Kommentator der regierungsnahen chinesischen Global Times schrieb am Mittwoch, Ängste, der Shan-Staat könnte zu "einer chinesischen Krim" werden, seien "völliger Unsinn".

Die neue Offensive gilt auch als schwerer Dämpfer für die Bemühungen der Regierung, mit allen Rebellengruppen eine landesweite Waffenruhe auszuhandeln. Burmas Machthaber Thein Sein sagte, die Armee werde "keinen Zentimeter" nachgeben. Laut dem US-Radiosender Voice of America könnte die Armee auch in der Unruheregion Kachin eine neue Offensive vorbereiten. (mesc, red, DER STANDARD, 19.2.2015)

  • Kloster Lashio, 18. Februar:  Lebensmittelverteilung an Flüchtlinge
    foto: reuters/soe zeya tun

    Kloster Lashio, 18. Februar: Lebensmittelverteilung an Flüchtlinge

Share if you care.