Petition macht Journalisten für "extremistisches" Image von Gamern verantwortlich

18. Februar 2015, 11:35
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Initiator: Seiten wie Kotaku und Polygon hätten Spieler entzweit

Die Ausstrahlung einer neuen Folge der Krimiserie "Law & Order: Special Victims Unit", in der es angelehnt an reale Ereignisse um sexistische Spieler geht, die eine Entwicklerin bedrohen, sorgt in der Branche immer noch für Aufregung. Nachdem Fachseiten die Folge unisono als überspitzt und schädlich für alle portraitierten Parteien kritisierten, macht nun eine Petition eines Spielentwicklers genau jene Mitglieder der Presse für das extremistische Image der Gaming-Szene verantwortlich. "Diese Episode, die weltweit Millionen von Nicht-Spielern gezeigt wurde, ist das unvermeidbare Resultat monatelanger Berichterstattung der Gaming-Presse über die Kluft zwischen Spielern, die derzeit unser Hobby plagt", so Mark Kern, Initiator der Petition und spricht damit konkret den Blog Kotaku und die Seite Polygon an.

Anstachelung

"Für das Entflammen dieses Zerwürfnisse ist die Gaming-Presse verantwortlich, mit einer Reihe von Artikeln, die lediglich dem Aufflammen des Feuers gedient hat, die den Extremismus auf beiden Seiten gefeiert, die Kluft vergrößert und das Problem sensationalisiert hat", schreibt Kern weiter.

Kern sieht darin eine Aufgabenverfehlung der Journalisten, die seiner Meinung nach dafür da seien, die Fans und die Industrie hinter Videospielen zu unterstützen. "Es gibt einen Ausdruck dafür, den man Yellow Journalism nennt, der schon zuvor Kriege angezettelt hat. Es hat keinen Platz in der Gaming-Presse, die eigentlich unsere Industrie und speziell Gamer in allen Belangen unterstützen sollte." Mit der Petition ruft Kern nun Spielefans dazu auf, das Image der Branche wieder glattzubügeln und die Kluft zwischen den Fraktionen zu schließen.

Wie Petition nun dazu beitragen soll, die Kluft zwischen Spielern zu schließen, erklärt Kern nicht. Bis dato wurde die Petition von gut 1.600 Unterstützern unterschrieben.

Reaktionen

Reaktionen auf die Petition ließen nicht lange auf sich warten. Die Seite VG247 etwa warnte in einem Kommentar davor, die Schuld den "Überbringern der Botschaft" in die Schuhe zu schieben. Die Schuld an den zahlreichen sexistischen oder anderweitig fanatischen Entgleisungen müssten nicht Journalisten, nicht Spielefans, sondern besagte Fanatiker selbst tragen. Bomben- und Morddrohungen seien erst der Grund dafür gewesen, dass die Presse im großen Still über die andauernden Grabenkämpfe zwischen Unterstützern feministischer Aktivistinnen wie Anita Sarkeesian und Leuten, die ihr Hobby vor allem aufgrund der Kritik am weiblichen Rollenbild in Games unter Beschuss sehen, berichtet hat.

Ironisch sei laut Autor Pattrick Garrat ebenso, dass ausgerechnet Polygon als "Yellow Press" bezeichnet wird, das seit seiner Gründung vor wenigen Jahren mehr Geld und Ressourcen in eine sehr aufwendige Berichterstattung über Videospiele und besonders deren Entwickler gesteckt hat, als es bei Branchenseiten zuvor üblich war. "Das letzte, was die Gaming-Gemeinde braucht, sind noch mehr falschinformierte Fanatiker, die ihren Zorn im Internet äußern. Denkt nach, bevor ihr unterschreibt. Es könnte schwer werden, die Tinte wieder zu löschen." (Zsolt Wilhelm [auf Twitter], derStandard.at, 18.2.2015)

  • "Das letzte, was die Gaming-Gemeinde braucht, sind noch mehr falschinformierte Fanatiker, die ihren Zorn im Internet äußern."
    foto: god of war 3

    "Das letzte, was die Gaming-Gemeinde braucht, sind noch mehr falschinformierte Fanatiker, die ihren Zorn im Internet äußern."

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