Spinnenspeiseplan: Appetit auf Ernteameisen ist genetisch vorbestimmt

21. Februar 2015, 14:36
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Für Jungtiere der Spinnenart Euryopis episinoides sind die Ameisen mehr als nur ein praktischer Snack

Die südeuropäische Spinnenart Euryopis episinoides lebt fast ausschließlich von Ernteameisen. Ob sie die Ameisen bevorzugt, weil sie gerade verfügbar sind, oder ob es sich um ein genetisch vererbtes Beuteschema handelt, ware bisher unklar. Eine aktuelle Untersuchung von tschechischen Forschern um Stano Pekár und Manuel Cárdenas von der Masaryk Universität konnte nun zeigen, dass die Jungtiere der Spinnen tatsächlich einen angeborenen Riecher für die Ameisen haben.

Die nur 3 Millimeter kleine Spinne hat sich vor allem auf Vertreter der Ameisengattung Messor spezialisiert, von der es mehr als 100 Spezies gibt. Die Weibchen von Euryopis episinoides legen in ihrer elterlichen Fürsorge ihre Eiersäcke bewusst in der Nähe solcher Ameisennester ab. Nachdem die jungen Spinnen geschlüpft sind, müssen sie für sich selber sorgen. Dabei müssen sie völlig selbstständig Beute erkennen und fangen.

Praktischer Snack oder vordefinierte Beute

Die tschechischen Wissenschafter wollten herausfinden, ob die jungen Euryopis-episinoides-Spinnen die Ameisen jagen, weil sie schlicht gerade in der Nähe sind, oder ob ihrem Interesse für die Ameisen-Beute eine angeborenen Präferenz zugrunde liegt.

Sie testeten an neugeborenen Spinnen, die noch nicht auf die Jagd gegangen sind, wie sie auf die chemischen Signalsubstanzen von drei unterschiedlichen Beutetieren reagierten: Ernteameisen, Fruchtfliegen und Nylander-Ameisen. In einem von zwei Fällen (47 Prozent) gingen die jungen, unerfahrenen Spinnen vor einem Papierstreifen mit dem Geruch von Ernteameisen in Jagdstellung, obwohl sie niemals zuvor auch nur einen Hauch dieser Ameisenart mitbekommen haben.

Ameisen sind gesund

Die Wissenschafter testeten auch die Reaktion von erfahreneren jungen Spinnen, die bis dahin nur mit einer Art von Beute erhalten haben: jeweils wiederum nur mit Ernteameisen, Fruchtfliegen oder Nylander-Ameisen. Die Forscherer beobachteten, dass die vorausgegangene Konditionierung die erbliche Beutepräferenz der Spinnen beeinflusste. Dies zeigte sich darin, dass die jungen Spinnen häufiger die Beute auswählten, mit der sie aufgezogen worden waren, und keine Ernteameisen. Eine weitere Untersuchung zeigte, dass die bei den Versuchen eingesetzten Spinnen gesundheitlich besser abschnitten, wenn sie Ameisen anstelle von Fruchtfliegen fraßen.

"Unsere Forschungsergebnisse legen nahe, dass die Beutepräferenz genetisch angelegt ist, sie aber auch von der Erfahrung mit der ersten Beute beeinflusst wird", sagt Pekár. "Diese angeborene Präferenz ermöglicht den jungen Euryopis episinoides-Spinnen schnell Informationen über Beute zu sammeln und eigenständig ihre bevorzugte Beute erfolgreich aufzuspüren."

"Die angeborene Präferenz ist ein Vorteil, da sie die Effizienz beim Beutefang erhöht", fügt Cárdenas hinzu. "Allerdings ist es wichtig, dass die jungen Spinnen in der Nähe eines Platzes mit hohem Ameisenvorkommen schlüpfen, etwa in der Nähe von Ameisenstraßen." (red, derStandard.at, 21.2.2015)

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