Spenden: Schelling muss Klarheit schaffen

Kommentar der anderen17. Februar 2015, 17:02
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Immer wieder sind Gerüchte darüber zu hören, dass die steuerliche Absetzbarkeit von Spenden abgeschafft werden soll. Treffen sie zu, würde das gleich vierfachen Schaden anrichten: bei Spendern, Steuerzahlern, dem Staat und den Hilfsorganisationen

Passagier F. N. wartet an einem Samstagnachmittag am Flughafen in Rom auf seinen Rücktransport nach Wien. Die Maschine der AUA ist zwar schon da, sie kann aber wegen eines gröberen technischen Defekts erst am nächsten Tag starten. Passagier F. N. wird gemeinsam mit über 100 Mitreisenden in ein feines Vier- Sterne-Hotel im Zentrum der Stadt gebracht. Unterbringung und Verpflegung sind erstklassig, der Rückflug klaglos.

F. N. hatte keine Terminprobleme und freute sich - nach erstem Ärger - über einen kostenlosen netten Abend in der Ewigen Stadt.

250+150=4

Vier Wochen später überwies ihm die AUA als Entschädigung für die Verspätung 250 Euro. Er hatte früh gebucht und für sein Ticket - hin und zurück - nur 258 Euro bezahlt. Der ganze Flug samt Gratisverlängerung kostete ihn also netto nur acht Euro.

Passagier F. N. ist Angestellter mit einem Monatsgehalt von knapp über 1500 Euro. Er beschloss, den Rückzahlungsbetrag zu spenden - und zwar der ORF-Aktion "Nachbar in Not", für ein nachhaltiges Schulprojekt der Jesuiten im Nordirak.

Beim Ausfüllen des Erlagscheins wurde er auf die Möglichkeit aufmerksam, seine Spende von der Einkommensteuer abzusetzen. Im Internet stellte er fest (spendenrechner.at): Wenn ich die 250 Euro von der AUA spenden will, dann kann ich ruhig auf 400 Euro aufrunden, denn das Finanzamt zahlt mir im Rahmen des Jahresausgleichs 146 Euro zurück. Das ganze "Manöver" kostet mich nur vier Euro, Nachbar in Not aber bekommt vierhundert. Das tat er dann auch.

Die steuerliche Absetzbarkeit für humanitäre Spenden gibt es erst seit 2009. Sie wurde nach jahrzehntelanger Diskussion durchgesetzt, um die Nächstenliebe und die Solidarität der Österreicherinnen und Österreicher für notleidende Menschen zu fördern. Das ist auch gelungen, wie der Geschäftsführer des Fundraising-Verbandes Austria, Günther Lutschinger, im jüngsten Spendenbericht feststellt.

Mehr als verdoppelt

In den ersten fünf Jahren wuchs das Spendenvolumen in Österreich um fast 200 Millionen Euro auf 550 Millionen Euro (2013). Die Höhe der durchschnittlichen Einzelspenden stieg von 46 Euro auf 100 Euro. Mehr als 710.000 Steuerzahler (20 Prozent) nützen bereits die Möglichkeit der Absetzung. Tendenz steigend. Hier sehen die Hilfsorganisationen die Chance, durch intensive Information ihre Einnahmen in den nächsten Jahren zu steigern.

Bei diesem Modell gibt es nur Gewinner:

  • Die Spender insgesamt: Sie können bei einer Hilfsorganisation, die mit der Absetzbarkeit wirbt, sicher sein, dass ihr Geld richtig ankommt, weil diese vom Staat sehr streng geprüft wird.
  • Die Steuerzahler unter den Spendern: Sie können ihre beabsichtigte Spende je nach Steuergruppe um ein Drittel bis zur Hälfte aufstocken und selbst bestimmen, was mit einem (wenn auch kleinen) Teil ihres Steuergeldes geschieht.
  • Der Staat: Er mobilisiert die Spendenbereitschaft der Bürger und erspart sich dadurch so manche Ausgaben im Sozialbereich.
  • Die Hilfsorganisationen: Sie bekommen nicht nur mehr Geld, sie können damit auch mehr tun. "Ihre Arbeit ist unentbehrlich, weil sie der Staat nie leisten könnte", erklärte Thomas Höhne, ein erfahrener NGO-Kenner und Wiener Rechtsanwalt, am vergangenen Wochenende an dieser Stelle (Spenden, Steuern und die Bahnwärterstochter, DER STANDARD, 14./15. Februar).

Durch die Polstertüren

Insgesamt eine Entwicklung also, über die man sich durchaus freuen kann. Tun aber offensichtlich nicht alle, denn durch die Ritzen der Polstertüren der dicht abgeschlossenen Steuerreform-Kommission dringen so allerlei Gerüchte. Noch ist nichts offiziell, aber dort und da macht eine oder einer Andeutungen. Gutachten werden unter der Hand publik, bereits ausdiskutiert geglaubte, abgestandene Modelle werden so nebenbei wieder in den Raum gestellt. Gesamttenor: die steuerliche Absetzbarkeit für humanitäre Spenden soll im Zuge der Steuerreform wieder abgeschafft werden.

"Erbsenzähler" nennt Thomas Höhne die Verursacher solcher Gerüchte. Gemeint sind jene, die nur in Budgetansätzen und nicht in gesellschafts- und sozialpolitischen Zusammenhängen denken können oder wollen. Die nicht sehen können oder wollen, dass die Förderung von Nächstenliebe und Solidarität kein Steuergeschenk ist, sondern eine Investition in die Qualität des menschlichen Zusammenlebens.

Verunsicherung

Höchste Zeit, dass Finanzminister Hans Jörg Schelling klarstellt, dass an eine Abschaffung der steuerlichen Absetzbarkeit für humanitäre Spenden nicht gedacht ist. Eine weitere Verunsicherung der Spender führt nämlich automatisch zu geringeren Spenden für die Hilfsorganisationen. (Kurt Bergmann, DER STANDARD, 18.2.2015)

Kurt Bergmann (79) ist der Gründer der ORF-Aktionen Licht ins Dunkel, Nachbar in Not und Hochwasser-Soforthilfe. Er war ORF-Generalsekretär, ÖVP-Bundesgeschäftsführer und Nationalratsabgeordneter der ÖVP.

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