Vorarlberg: Nach dem Fasching die Gemeindewahl

18. Februar 2015, 05:30
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In 36 Gemeinden geht es am 15. März auch ohne Parteilisten. In Bregenz will SPÖ-Chef Ritsch Bürgermeister werden und verspricht einen "überraschenden" Wahlkampf

Bregenz – Eine gelbe Karte, darauf ein Faschingskrapfen mit Staubzuckerherz, rundherum Konfetti. Dieser Postwurf landete kürzlich in den Bregenzer Briefkästen. Absender war der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart (VP), der "Viel Spaß im Fasching" wünschte und den Bürgern riet, "närrisch zu sein", denn: "Das tun auch wir!" Der Wahlkampf komme früh genug, warnte der Stadtchef.

Während für Linhart, der seit 17 Jahren im Amt ist und knapp 49 Prozent zu verteidigen hat, nach Aschermittwoch die spaßfreie Zeit beginnt, macht sein Herausforderer Michael Ritsch (SPÖ) weiter auf lustig.

Kopfüber in die Wahl

"Anders geht immer" lautet der sozialdemokratische Slogan für die Gemeindewahl am 15. März. Gesagt, getan: Ritsch posiert auf den ersten Plakaten kopfüber. Was die Bregenzer am Plakat aber wirklich irritiert, ist der abstehende Haarkranz des kahlköpfigen Stadtrats. Ritsch, der im Landtagswahlkampf Gartenzwerge für sich werben ließ, verspricht für den Gemeindewahlkampf weitere "Überraschungen". Der erste Gag ist ein Buszubringer zum Eislaufplatz in der Nachbargemeinde Hard: "Denn die Landeshauptstadt hat ja nicht mal einen eigenen Eislaufplatz."

Ritsch will Linhart in die Stichwahl zwingen. 2005 war das gelungen, Ritsch unterlag nur knapp. 2010 hingegen war Linhart wieder fest im Sattel und machte bei der Bürgermeister-Direktwahl 56 Prozent. Die Volkspartei regiert mit den Grünen. Ritsch würde auch eine andere Farbkombination gefallen.

Er könnte sich die Spitzenkandidatin der Freiheitlichen, Andrea Kinz, als Vizebürgermeisterin vorstellen. Das wäre dann ein Déjà-vu für Bregenz. Ritschs großes Vorbild, Langzeitbürgermeister und -parteichef Fritz Mayer kam 1970 mit blauer Hilfe an die Macht. Sein Vize war Hubert Kinz, Schwiegervater der aktuellen FP-Spitzenfrau.

Es ist nicht alles schwarz

Die Freiheitlichen kandidieren in 32 der 96 Gemeinden, die Sozialdemokraten in 26, die Grünen in 23, die Neos in vier. Kompliziert wird es bei der Volkspartei. Als solche deklariert kandidiert sie lediglich in 36 Gemeinden. In 57 Gemeinden treten "sonstige" Listen an. In 20 Gemeinden gibt es nur eine Liste. Diese Listen seien teils VP-nahe, sagt Geschäftsführer Dietmar Wetz. Statistisch könnte man sie aber nicht einfach der Volkspartei zurechnen, sagt Wetz.

Auch nicht schwarz seien jene 16 Kleingemeinden mit Mehrheitswahl. Bei diesem System kann jeder und jede auf die Liste geschrieben werden. "Clan-Wahl", sagen Kritiker. "Direkte Demokratie pur", loben Befürworter.

Direkt gewählt werden die Bürgermeister und Bürgermeisterinnen in 60 Gemeinden, 132 Männer und Frauen treten an. 289.602 Personen sind wahlberechtigt, 1.806 Mandate werden vergeben. (Jutta Berger, DER STANDARD, 18.2.2015)

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