"Gelebte Normalität": Wie der "Kleine"-Chef Lage und Sparen beschreibt

17. Februar 2015, 14:13
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"Kostenschonend bewältigen": Hubert Patterer vor dem Umzug in Styria-Tower - Trauerportal und Ärzte-App starten

Graz - Wie sieht "Kleine"-C'hefredakteur Hubert Patterer die Sparmaßnahmen in seinem Haus? Einen Teil der kolportierten Maßnahmen und Größenordnungen berichtete DER STANDARD am Dienstag.

Wenn Österreichs drittgrößte Tageszeitung am 28. März in ihren frisch gebauten Newsroom zieht, trübt nicht allein die zentrumsfernere Lage das Klima in der Redaktion: Der Betriebsrat der "Kleinen Zeitung" warnte intern per Mail vor "Einzelgesprächen" über Dienstverträge. Hintergrund: Sparmaßnahmen beim Personal.

Die gibt es auch bei anderen Zeitungen. Die "Kleine" freilich schreibt bisher auch in schwierigerer Werbekonjunktur ansehnliche Gewinne, sie ist mit 2013 noch 20 Millionen Euro Ergebnis der wirtschaftliche Muskel des Styria-Konzerns. Im neuen Styria-Hauptquartier bei der Messe Graz müssen die Medien nun (mehr) Miete zahlen, sagen Insider: Das soll sich im Kleine-Budget 2015 bisher noch nicht nach Konzernvorgaben ausgehen. Das Management kündigte "offensives Kostenmanagement" an, Pensionierungen und Altersteilzeiten würden vorerst nicht nachbesetzt.

DER STANDARD schickte Patterer eine Reihe von Fragen über die kolportierten Sparmaßnahmen und über, wie man aus der Redaktion hört, ein noch nicht komplettes Budget für 2015. Patterer antwortete dazu Dienstag so:

"Gelebte Normalität"

"Dass wir vor dem Hintergrund der Umbrüche und Herausforderungen im Zeitungsmarkt sparsam mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen umgehen, um Spielraum für die strategische Weiterentwicklung der Kleinen Zeitung zu schaffen, ist nichts rasend Neues, sondern seit Jahren gelebte Normalität.

"Redaktionelle Substanz"

Wir haben in den vergangenen beiden Jahren massiv in die redaktionelle Substanz und in die Reorganisation investiert. So haben wir im Zuge des neuen multimedialen KVs im Juli 2013 mehr als 30 Mitarbeiter durch Anstellungen zu besseren Konditionen an die Marke gebunden. Im Vorjahr haben wir darüber hinaus unsere Regionalredaktionen, die bisher primär printgetriebene Einheiten waren, zu multimedialen Außenredaktionen um- und aufgerüstet. Sämtliche Außenredaktionen (9 in der Steiermark, 7 in Kärnten) wurden von drei auf vier Mitarbeiter aufgestockt. Von "Verhandlungsversuchen über einen Wechsel in den neuen KV und ähnlichen Vertragsverschlechterungen" kann keine Rede sein. Der neue KV ist seinerzeit 1:1 übernommen worden und gilt selbstverständlich für alle Mitarbeiter der integrierten Redaktion.

"Punktuell Anpassungen"

Nach der erfolgreich vollzogenen Integration der beiden Redaktionen Print und Online im November müssen wir in diesem Jahr allerdings punktuell da oder dort Anpassungen vornehmen, die primär qualitativen Kriterien geschuldet sind.

Darüber hinaus steht der Redaktion ein Generationswechsel ins Haus, den wir unter Wahrung der journalistischen Substanz kostenschonend bewältigen wollen. Anfallende Pensionierungen im heurigen und nächsten Jahr werden im Verhältnis 2:1 nachbesetzt. Darüber hinaus suchen wir das Gespräch mit länger gedienten Mitarbeitern, die auf freiwilliger Basis Altersteilzeitlösungen in Anspruch nehmen möchten. Etliche Mitarbeiter haben diese Möglichkeit schon in der Vergangenheit von sich aus angestrebt.

"Gutes Geschäftsergebnis verteidigen"

Ich bitte um Verständnis, dass wir konkrete Budgetzahlen grundsätzlich nicht kommunizieren. Richtig ist, dass wir das gute Geschäftsergebnis des Vorjahres mit gemeinsamer Kraftanstrengung über alle Bereiche des Verlags hinweg halten und verteidigen wollen: nicht als Folge eines Diktates des Vorstandes, sondern aus tiefer eigener Überzeugung. Wir wollen nicht dort landen, wo andere Häuser jetzt schon sind.

"Etwas höhere Miete für mehr Platz"

All dies steht in keinerlei Zusammenhang mit den Kosten für den Umzug in den neuen Styria-Tower. Die etwas höhere Miete ergibt sich schlicht und einfach aus der größeren, von uns beanspruchten Fläche des multimedialen Newsrooms, der von der Redaktion konzipiert und entwickelt wurde. Ich bin überzeugt davon, dass er inhaltlich und architektonisch richtungsweisend ist.

Trauerportal am 1. März

Was die Entwicklung am Werbemarkt betrifft, wollen wir das Umsatzniveau des Vorjahres halten. Neben dem Stammprodukt richten wir unsere Anstrengungen vor allem auf Magazin- und Buchprojekte sowie auf die Entwicklung neuer digitaler Portale und Produkte (z.B. Trauerportal/Start 1. März; Ärzte-App; Ausbau des Webshops). (red, derStandard.at, 17.2.2015)

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