Sexismus ohne Hemmungen am Valentinstag

20. Februar 2015, 12:01
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"Doc McStuffins"-Kostüme gesucht, sexistische "Kosten-Nutzen"-Rechnung und mit afrikanischen Puppen gegen weiße Schönheitsnormen

Verkleiden nach Maß: So wie die Serienheldin der Kindersendung "Doc McStuffins" wollte sich der Kleine verkleiden, erzählt ein Blogeintrag auf mutterseelenalleinerziehend.de zur Faschingszeit. Aber nix da, denn ein Kostüm für eine Heldin gibt es nicht ohne Rosa - und in der pinken Ecke des Ladens fühlte sich der Bub nicht am richtigen Ort. Das mit dem Verkleiden im Fasching hat also auch sehr enge Grenzen, die nur mit einem Batzen Mut überschritten werden können, wie die Autorin beschreibt.

foto: ap/disney junior
"Doc McStuffins", als die sich auch Buben im Fasching gern verkleiden würden.

Wenn Feministinnen glauben: Die kürzlich erschienene neue Ausgabe des feministischen Monatsmagazins "an.schläge" widmet sich in einem Schwerpunkt "Feminismus & Religion". Eine muslimische Feministin erzählt darin über Islamophobie und Pegida, der Beziehung zwischen Religion und Staat wird nachgegangen, ebenso dem Wunsch, Pfarrerin zu werden, und einen Beitrag zu jüdischem Feminismus gibt es auch - eine spannende Themenpalette. Auch lesenswert in der neuen Ausgabe und schon online nachzulesen: der Umgang der deutschen und österreichischen Gerichte mit der Definition von "Vergewaltigung".

Kosten-Nutzen-Rechnung: Auf einen Beitrag in der "Weltwoche" zum Valentinstag reagierte ein Gastbeitrag in der "Neuen Zürcher Zeitung" mit dem nicht gerade knappen Titel: "Frauen zu einem Objekt zu machen und ihr Preis-Leistungs-Verhältnis zu analysieren ist schlicht sexistisch". Die "Weltwoche" referenzierte mit dem Artikel "Kostenwahrheit der Frau" auf Ausführungen von Gary Becker, der in 1970-Jahren die Familie mit einer kleinen Fabrik verglich, in der produziert wird: Kinder, Gesundheit oder auch Mahlzeiten. So hat Becker auf ökonomische Komponenten hingewiesen, die sich auf den ersten Blick wirtschaftlichen Zusammenhängen entziehen, fasst Gastautor Philippe Wampfler zusammen. Wampfler kritisiert, dass nun die beiden Autoren der "Weltwoche" diese Überlegungen plump sexistisch interpretieren und die Frage nach familiären Dynamiken gegen die Frage "Wie teuer darf eine Frau sein?" eintauschen würden. Neben Behauptungen über Ehefrauen, die viel Geld ausgeben, aber wenig Erwerbsarbeit leisten würden, würden laut "Weltwoche" schließlich auch ihre "Sex-Leistungen" als "unbezahlte Arbeit" zählen, denn: "auch Prostitution zählt zum Bruttoinlandsprodukt". Die geringe Leistung von Frauen könne von ihnen durch sexuelle Dienstleistungen ausgeglichen werden. Hier sei blanker Sexismus am Werk, der in der Redaktion der "Weltwoche" "jede Hemmung ausschaltet", schreibt Wampfler in seiner Reaktion auf einen beispiellos frauenverachtenden Artikel.

Queens of Africa: Dass Barbie-Puppen den Vorstellungen von Körpern wenig Spielraum bieten, ist bekannt. Als begehrtes Spielzeug für Mädchen zaubern sie manch sorgenvolle Falte auf Elterngesichter. Eintönigkeit herrscht auch bei der Hautfarbe und bei der Mode, obwohl der Konzern Mattel auch farbige Puppen im Angebot hat. Dass man sich damit allerdings nicht von der weltweit dominanten weißen Popkultur wegbewegt, zeigen die von Taofick Okoya produzierten "Queens of Africa"-Puppen. Der Nigerianer kommt aus einem Land, das den weltweit größten Absatzmarkt für hautaufhellende Cremes hat, schreibt die "Zeit". Okoya will dem weltweiten Schönheitstrend "Weißsein" mit seinen Puppen etwas entgegensetzen. Dabei spielt nicht nur die Hautfarbe eine Rolle, die Puppen tragen auch afrikanischen Haarschmuck und Kleidung mit bunten afrikanischen Mustern. (red, dieStandard.at, 20.2.2015)

dieWochenschau versammelt einige feministische Debatten und Ereignisse der vergangenen Woche, die in Blogs, sozialen Medien oder anderen Zeitungen aufgetaucht sind.

  • In der Puppenwerkstatt von Taofick Okoya.
    foto: reuters/akintunde akinleye

    In der Puppenwerkstatt von Taofick Okoya.

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