So werden wir 2040 arbeiten

17. Februar 2015, 12:52
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Eine neue Studie erhob das Stimmungsbild der Österreicher zur Arbeitswelt 2040: der Großteil ist skeptisch. Dass wir bis zum letzten Atemzug arbeiten werden, ist trotzdem nicht das Bild der Zukunft

Wo werden wir in 25 Jahren stehen? Wie werden wir leben, wo werden wir wohnen und wie steht es um die berufliche Zukunft? Fragen, die sich viele von Zeit zu Zeit stellen. Nicht nur ein Stimmungsbild, sondern ausführliche Antworten wollte die Immobilienrendite AG. Warum? "In unserer Branche ist es normal sich solche Gedanken zu machen. Einerseits über sich selbst, aber natürlich auch darüber, wie die Kunden ticken", sagt Mathias Mühlhofer, Vorstand der Immobilienrendite AG bei der Präsentation der von meinungsraum.at durchgeführten Studie. 500 Personen wurden dafür Online befragt, sowohl quantitativ als auch qualitativ. Die Zielgruppe waren dabei Österreicherinnen und Österreicher zwischen 18 und 50 Jahren, repräsentativ nach Alter, Geschlecht, Schulbildung und Bundesland ausgesucht.

Kein optimistischer Blick in die Zukunft

"Eines gleich vorab", leitet Studienautorin Evelyn Kaiblinger die Präsentation der Befragung ein. "Herr und Frau Österreicher blicken pessimistisch in die Zukunft: 61 Prozent beschreiben ihre Stimmung in Bezug auf ihre Pension als besorgt. Frauen und die Gruppe der 18 bis 29-Jährigen sind dabei am negativsten eingestellt." Die Studie ist in die vier Bereiche Leben, Wohnen, Arbeiten und Vorsorge unterteilt. Während die Lebens- und Wohnsituation durchaus positiv bewertet werden und hier ein optimistischer Blick in die Zukunft dominiert, nimmt die Zuversicht beim Thema Arbeitswelt 2040 deutlich ab.

Flexibilität zentral

Zentral für die Arbeitswelt der Zukunft ist für die Befragten Flexibilität - 93 Prozent stimmten der Aussage "Ohne Flexibilität wird man am Arbeitsmarkt nicht bestehen können" zu. Eine große Rolle spielen für die Befragten auch Umschulungen und Zusatzausbildungen. 85 Prozent denken, dass solche Angebote kurz vor der Pension eine zentrale Rolle spielen werden. Mathias Mühlhofer hakt ein: "Hier möchte ich betonen, dass auch die heute 50-Jährigen glauben, dass sie vor der Pension noch ihren Job wechseln werden." Die Notwendigkeit flexibel zu sein spiegelt sich auch in der Ansicht wieder, dass häufige Arbeitsplatzwechsel für 82 Prozent normal sein werden.

Arbeitsplätze unsicher

Nachfolgend wurde nach der Arbeitsplatzsicherheit gefragt. Nur 28 Prozent waren der Ansicht, dass Arbeitsplätze im Jahr 2040 zum überwiegenden Teil sicher sein werden - 72 Prozent waren vom Gegenteil überzeugt. Unter diesen Skeptikern sind es vor allem die 40 bis 50-Jährigen, die eine Arbeitsplatzgarantie 2040 für wenig wahrscheinlich halten (82 Prozent), aber auch die 18 bis 29-Jährigen sind nicht optimistisch (68 Prozent). Eine weitere düstere Prognose: der Durchschnitt der Befragten rechnet mit 24 Prozent Arbeitslosen 2040. Nach den Büros der Zukunft oder den künftigen Arbeitsformen wurde nicht gefragt - die Studie legt das Hauptaugenmerk im Bereich "Arbeitswelt der Zukunft" vor allem auf die Einschätzungen der Befragten zu ihrer Situation fünf Jahre vor Pension.

Traditioneller Optimist und gebildete Gattin

Um neben der Datenanalyse auch Stimmungsgruppen bestimmen zu können, teilten die Studienautoren die Teilnehmer nachträglich in sechs unterschiedliche Cluster ein: Der traditionelle Optimist kam dabei am häufigsten vor. Von den Autoren wird er als eher älter und unterdurchschnittlich gebildet beschrieben, Besitz ist ihm wichtig und der Blick auf die Pension ist positiv: von einer staatlichen Deckung wird ausgegangen.

Der gebildete Optimist unterscheidet sich nicht nur durch die bessere Ausbildung, sondern auch durch die städtische Ansiedlung. Dem gebildeten Optimist ist Sparen wichtig, auch er blickt der Pension positiv entgegen und vertraut auf eine staatliche Pension.

Stark von den ersten beiden Typen unterscheidet sich die gebildete Pessimistin. Wie der Name verrät zählen mehr Frauen zu dieser Gruppe, sie sind im städtischen Bereich anzutreffen und eher jung. Besitz ist nicht so wichtig, Sparen aber schon. Studienautorin Kaiblinger: "Man kann hier an die klassische Studentin denken." Der Pension blickt die gebildete Pessimistin negativ entgegen.

Interessant war für die Autoren die nächste Gruppe, die definiert werden konnte: die junge, gebildete Gattin. Reich heiraten und Lottospielen wurde von dieser Gruppe als beste Form für die Pension vorzusorgen angegeben (18 bzw. 8 Prozent entschieden sich für diese Vorsorgeform). Auch ihre Einstellung zur Pension in der Zukunft ist negativ.

Typ Fünf, der ländliche Lottospieler, hat ähnliche Ansichten bezüglich der Vorsorge. Diese Gruppe ist allerdings eher älter und im ländlichen Bereich anzutreffen.

In diesem Gebiet ist auch der letzte von den Studienautoren formulierte Typ daheim: der sicherheitsorientierte Westösterreicher ist eher jung, Besitz und sparen sind ihm wichtig, für die Vorsorge wird das Sparbuch, der Bausparer und die Lebensversicherung als beste Form gesehen.

Antrittsalter: Keine Geschlechterunterschiede

Die Arbeitswelt sehen die junge, gebildete Pessimistin, die Gattin und der ländliche, alte Lottospieler meist ähnlich negativ. Bei den ersten beiden Typen - der Name ist Programm - ist die Zukunft der Arbeit rosiger: unter den Optimisten denken nur 17 bzw. 18 Prozent, dass sie fünf Jahre vor der Pensionierung eine Umschulung brauchen werden. Bei der jungen, gebildeten Pessimistin sind dies 39 Prozent.

Die Pessimistin und die Gattin sind auch die beiden Gruppen, die das durchschnittliche Pensionsantrittsalter am höchsten angabern: beide lagen mit über 67 Jahren über dem Durchschnitt, der bei 65, 7 Jahren liegt. Für Mathias Mühlhofer dabei besonders verblüffend: "Hier gab es wirklich keine großen Unterschiede zwischen Frauen und Männern." Auffallend: Dass die Pension zwischen 50 und 60 Jahren angetreten werden kann, glauben nur 16 Prozent. (lhag, derStandard.at, 17.2.2015)

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