Forscher rekonstruierten den gewaltsamen Tod Richards III.

16. Februar 2015, 18:12
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Einer von zahlreichen Schwert- oder Lanzenstößen durchbohrte den Kopf des Königs komplett, wie forensische Untersuchungen des Skeletts nun ergaben

Leicester - Untersuchungen der 2012 unter einem Parkplatz im britischen Leicester entdeckten Überreste von Richard III. brachten schon einiges über den einstigen König von England zutage: So soll er etwa an einer Wurmerkrankung gelitten haben, zudem deuten genetische Analysen darauf hin, dass er zumindest als Kind blond und blauäugig war.

Auch lassen die zahlreichen Verletzungsspuren am Schädel Richards, der 1485 in der Schlacht von Bosworth Field gegen die Truppen von Henry Tudor fiel, wenig Zweifel über seine gewaltsame Todesursache offen: Von Anfang an wurde ein fataler Schlag auf seinen ungeschützten Kopf angenommen.

foto: ap/uncredited
Das 2012 in Leicester gefundene Skelett des englischen Monarchen.

Elf Verletzungen

Dem genauen Todeshergang haben sich nun Forscher um Guy Rutty und Sarah Hainsworth von der Universität Leicester gewidmet: Sie analysierten die Gebeine mit modernen forensischen Methoden und konnten so insgesamt elf Verletzungen nachweisen, die Richard zur Zeit seines Todes erlitt. Demnach waren es neun Verwundungen am Kopf sowie je eine an den Rippen und an der Hüfte.

Drei dieser Verletzungen stufen die Forscher als potenziell tödlich ein, zwei am Kopf sowie die an der Hüfte. "Die vielen Kopfwunden deuten darauf hin, dass er seinen Helm entweder abgenommen hatte oder ihn im Kampf verlor", sagte Hainsworth.

Bei ihren Untersuchungen entdeckten die Forscher aber noch zwei weitere Beschädigungen an den Knochen: eine auf der Innenseite der Schädeldecke sowie eine zweite am ersten Halswirbel. Es zeigte sich, dass diese Verletzungen genau in einer Linie mit einem der großen Löcher an der Schädelbasis liegen.

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Rekonstruktion des Todeshergangs.

Tödlicher Stoß von unten

"Die Kombination dieser drei Verletzungen liefert den Beweis für die Richtung des Stoßes und auch die Tiefe, mit der die Waffe in den Schädel eindrang", so Rutty. Demnach starb Richard III. durch eine Schwert- oder Lanzenattacke von schräg unten.

Die Waffe sei dabei an der Kopfunterseite eingedrungen, habe das Gehirn durchstoßen und sei schließlich an der inneren Schädeldecke angestoßen. Nach diesem Szenario wäre dem König zumindest eines erspart geblieben: ein langsamer Tod. (red, derStandard.at, 16.2.2015)

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