Deutsche Wohnen: Conwert in Sackgasse

16. Februar 2015, 16:21
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Bis zum Sommer könnte ein Unternehmen entstehen, das 175.000 Wohnungen überwiegend in Deutschland verwaltet

Wien - Der Vorstandschef der Deutsche Wohnen AG, Michael Zahn, sieht die Immobiliengesellschaft Conwert "derzeit in einer Sackgasse". Sie könne nicht mehr als "stand-alone am Markt agieren". Neben der hohen Zinsbelastung aus früheren Finanzierungen dümple auch die Aktie seit Jahren dahin. Deutsche Wohnen, deren Eigentümer zu 90 Prozent internationale Investoren sind, will, wie berichtet, Conwert übernehmen.

Geplant ist ein Übernahmeangebot an die Aktionäre zum Preis von 11,50 Euro. Eine definitive Zusage haben die Deutschen bereits von der Haselsteiner-Familien-Privatstiftung sowie Karl Ehlerding und Familie, die zusammen rund 25 Prozent ihrer Conwert-Aktien an Deutsche Wohnen abgeben. Damit der Deal zustande kommt, werden zumindest 50 Prozent plus eine Aktie angestrebt. Deutsche Wohnen will für die Übernahme von Conwert bis zu 1,15 Mrd. Euro hinblättern: 100 Prozent der Aktien würden 950 Mio. Euro kosten, dazu kommt noch die Übernahme der von Conwert ausgegebenen Wandelschuldverschreibungen.

Unterkühlte Stimmung

Conwert wird seit Anfang 2014 von Ex-ÖGB-Finanzchef Clemens Schneider geführt. Ihn hatte Hans Peter Haselsteiner (seine Stiftung hält 24,4 Prozent an Conwert) zwar als Conwert-Chef an Bord geholt, seine Zufriedenheit mit Schneider soll sich aber deutlich abgekühlt haben. Auch die Anwürfe der Investmentgesellschaft Petrus-Advisers (hält 6,7 Prozent; Petrus-Chef Klaus Umek hat die Conwert-Führung und die Immobilienbewertung in Inseraten massiv kritisiert) haben die Stimmung des Bauunternehmers verschlechtert. All das habe dazu beigetragen, dass sich Haselsteiner zu Jahresbeginn zum Teilverkauf des Aktienpakets entschlossen habe, ist aus Conwert-Kreisen zu hören.

Einige Aktionäre haben das Übernahmeangebot aber bereits als zu niedrig kritisiert und fordern einen Nachschlag, so etwa der rebellische Conwert-Aktionär Alexander Proschofsky. Auch Petrus Advisers kann mit der Offerte wenig anfangen.

Conwert hatte zuletzt wegen einer fehlgeschlagenen Zinswette einen Vorsteuerverlust von knapp 28 Millionen Euro gemacht. Die Gesamterlöse von Conwert sind laut internen Berechnungen zwischen 2008 und 2013 im Jahr im Schnitt um 4,8 Prozent gestiegen, auf rund 270 Mio. Euro. Auf die Mieteinnahmen entfielen rund 227 Mio. Euro, selbige sind in diesem Zeitraum um neun Prozent gewachsen. Die Kosten für Personal und Verwaltung sind im Schnitt um 4,4 Prozent auf rund 77 Mio. Euro gewachsen. Am stärksten zugelegt haben die Beratungskosten (plus 13,4 Prozent auf knapp elf Mio. Euro) und die IT-Kosten (rund 14 Prozent). Die Kosten für Werbung sind hingegen um 18,4 Prozent zurückgegangen, auf rund 1,3 Mio. Euro im Jahr 2013.

Eco vor Verkauf

Im Portfolio von Deutsche Wohnen befinden sich 147.000 Wohnungen mit einem Wert von neun Mrd. Euro. Conwert hält bei 25.000 Wohnungen (vor allem in Deutschland) und einem Portfoliowert von 2,8 Mrd. Euro. Die Conwert-Tochter Eco soll verkauft werden, ebenso die Gewerbeimmobilien. Klappt die Übernahme, soll als einer der ersten Schritte die Refinanzierung "neu aufgestellt werden", wie Zahn betonte, und Eigenkapital gegen Fremdkapital investiert werden. Es gelte die Verschuldung zu reduzieren, Investments zu hinterfragen und eventuell zu verkaufen.

Erste Gespräche zu einer Übernahme gab es bereits 2009/2010, "seit damals stagnierte Conwert, die notwendigen Kapitalmaßnahmen wurden nicht durchgeführt", so Zahn. Im Zuge der Restrukturierung werde man auch einen Verlust in Kauf nehmen. (cr, gra, DER STANDARD, 17.2.2015)

Siehe auch: Immo-AGs: Blühende Übernahmefantasien

  • Michael Zahn, seit 2007 Vorstandschef von Deutsche Wohnen, bekräftigte sein langfristiges Interesse an Conwert.
    foto: apa/roland schlager

    Michael Zahn, seit 2007 Vorstandschef von Deutsche Wohnen, bekräftigte sein langfristiges Interesse an Conwert.

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