Google unter Druck: Investoren fordern Ergebnisse statt Visionen

16. Februar 2015, 17:27
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Während die Dominanz im Kerngeschäft Suchmaschinen bleibt, fordern Aktionäre von Google verwertbare andere Produkte

Selbst für das Silicon Valley an sich ist "Google X" schon ein mythischer Ort: Googles hochgeheimes Labor, in dem neue Technologien entwickelt werden, die erst in Jahren oder sogar Jahrzehnten alltagstauglich werden. Die zwei berühmtesten Produkte, deren Schleier gelüftet wurde, sind wohl Google Glass und das selbstfahrende Auto. Allerdings umfasst Google X eine weitaus breitere Palette an Forschungsgegenständen: Etwa im Bereich Gesundheit, Drohnen oder Energie.

Konkrete, messbare Produkte

Doch die Wall Street wird ob Googles Geheimhaltung nervös: Investoren fordern zunehmend ein Ende der Fokussierung auf sogenannte "Moonshots", also visionäre Ziele. Sie wollen logischerweise lieber konkrete Produkte, deren Profit gemessen werden kann. Langzeit-Forschungsprojekte wie Googles Plan, durch smarte Nanopartikel die Gesundheitsvorsorge zu revolutionieren, passen nicht in dieses Schema. Und das vorläufige Scheitern der Google Glass trägt einiges zur Unruhe unter den Aktionären bei.

Verschätzt

Denn Analysten erklärten einst, dass Google mit seiner Datenbrille im Jahr 2018 mindestens 11 Milliarden Dollar Profit machen werde. Momentan sieht das anders aus: Das Gerät wird einem fundamentalen Relaunch unterzogen und künftig von der Öffentlichkeit ferngehalten. Da erscheinen Berechnungen, dass Googles selbstfahrende Autos eine "200-Milliarden-Dollar-Chance" sind, schon ganz anders.

Unsichtbar

Allerdings dominiert Google den Suchmaschinenmarkt derart (und wächst noch immer), dass Innovationen dort wenig spürbar sind, wie die New York Times schreibt. Denn gerade aus "Google X" kamen in den vergangenen Jahren Entwicklungen, die Googles Suchmaschine um einiges verbessert haben – etwa im Bereich Bilderkennung. Google kann seine Suche beständig besser machen, aber nicht mit einem tollen neuen Feature rasant Marktanteile gewinnen – denn die besitzt Google ohnehin.

Xerox-Problem

Investoren befürchten allerdings, dass Google auch dem altbekannten "Xerox-Problem" begegnet: Die US-Firma hatte einst die Computermaus erfunden und rasante Entwicklungen bei der grafischen Ausgabe des PCs veranlasst. Profitieren konnte davon zuerst Apple, dann Microsoft. Dasselbe könnte natürlich auch bei Datenbrillen oder selbstfahrenden Fahrzeugen passieren. Google selbst wiegelt ab: "Das was wir tun, machen wir klug und diszipliniert", soll Googles Finanzchef Patrick Pichette kürzlich zu Investoren gesagt haben, "wir denken weit voraus, gerade um das Geld unserer Aktionäre nicht zu verschwenden." (fsc, derStandard.at, 16.2.2015)

  • Wie lukrativ werden Googles Eigenentwicklungen in den nächsten Jahren? Die Investoren werden darüber zusehends nervös.
    foto: ap

    Wie lukrativ werden Googles Eigenentwicklungen in den nächsten Jahren? Die Investoren werden darüber zusehends nervös.

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