Letztes ATV "George Lemaître" verglüht in der Erdatmosphäre

15. Februar 2015, 20:37
23 Postings

Fünfter europäischer Raumfrachter beendete seine Mission am Sonntag in einem Feuerball über dem Südpazifik

Paris - Europas vorerst letzter Raumfrachter der ATV-Serie ist am Sonntag planmäßig in der Erdatmosphäre verglüht. Das "Automated Transfer Vehicle 5" mit dem Namen "Georges Lemaître" hatte sich nach rund sechsmonatigem Aufenthalt an der Internationalen Raumstation (ISS) am Samstag um 14.40 Uhr abgekoppelt. Am Sonntag um 19.04 Uhr MEZ beendete es seine Mission in einem Feuerball über unbewohntem Gebiet im Südpazifik.

Er war der fünfte unbemannte Raumfrachter, den die ESA in den vergangenen sechs Jahren zur ISS geschickt hatte. Die ATVs von der Größe eines Doppeldeckerbusses lieferten insgesamt über 31.500 Kilogramm Treibstoff, Trinkwasser, Lebensmittelvorräte und wissenschaftliches Gerät für Experimente zur ISS. Darüber hinaus halfen die Triebwerke der ATVs dabei, die ISS in höhere Umlaufbahnen zu hieven oder Weltraummüll auszuweichen. Auf ihrer Rückkehr verwandelten sich die Raumfrachter dann in riesige Abfalltonnen, die den Müll der Internationalen Raumstation abtransportierten.

Ursprünglich waren Rückflug und Selbstzerstörung des Raumfrachters zwei Wochen später geplant. Dabei sollte eine neue Flugbahn getestet werden, die möglicherweise später einmal bei der planmäßigen Zerstörung der ISS helfen könnte. Wegen Problemen mit einer der ATV-Energiequellen wurde der Wiedereintritt in die Atmosphäre vorsichtshalber aber vorgezogen, wie Vertreter der Mission mitteilten.

Raumtransporter zu ehren des Begründer der Urknalltheorie

Der nach dem belgischen Begründer der Urknalltheorie benannte Transporter "Georges Lemaître" war wie seine vier Vorgänger im Bremer Airbus-Werk für das Versorgungsprogramm der europäischen Weltraumagentur ESA gebaut worden. Eine Ariane-Rakete hatte ihn vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ins All gebracht. Das erste ATV "Jules Verne" war im März 2008 gestartet. Alle Raumfrachter verglühten am Ende ihres Einsatzes. Die Versorgung der ISS sichern von nun an Transporter anderer Nationen.

"Wir können auf fünf sehr erfolgreiche Missionen zurückblicken", sagte Bart Reijnen am Samstag. Er ist beim Hersteller Airbus Defence and Space für Orbitalsysteme und Weltraumerkundung zuständig. "Diese Missionen haben es Europa ermöglicht, auf dem Gebiet der bemannten Raumfahrt auf Augenhöhe zu kommen mit anderen Nationen wie den Amerikanern." Das vollautomatische Rendezvous und Andocken an der ISS sei ein sehr komplexes Manöver gewesen. Damit habe man zeigen können, wozu Europa in der Raumfahrt in der Lage sei.

NASA-Projekt "Orion" profitiert vom ATV-Programm

Mit dem letzten Flug von "Georges Lemaître" geht zwar das drei Milliarden teure ATV-Programm zu Ende, von dem technischen Vorsprung des ATV soll aber das bemannte NASA-Projekt "MPCV Orion" profitieren, etwa bei Antrieb, Energieversorgung und Temperaturregelung. Die erste Mission des Orion-Programms ist für 2018 geplant - für den europäischen Konzern Airbus Defence and Space hat die Mitarbeit einen Auftragswert von mehreren Hundert Millionen Euro. (APA/red, derStandard.at, 15.2.2015)

  • Das fünfte und gleichzeitig letzte ATV "Georges Lemaitre" kurz nach dem Abkoppeln von der ISS am 14. Februar.
    foto: nasa

    Das fünfte und gleichzeitig letzte ATV "Georges Lemaitre" kurz nach dem Abkoppeln von der ISS am 14. Februar.

  • Wenige Stunden später verglühte der Raumtransporter wie geplant in der Erdatmosphäre (hier eine künstlerische Darstellung).
    illustration: esa/d. ducros

    Wenige Stunden später verglühte der Raumtransporter wie geplant in der Erdatmosphäre (hier eine künstlerische Darstellung).

Share if you care.