LHC geht wieder in Betrieb und soll neues Teilchen suchen

15. Februar 2015, 19:20
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Im Kernforschungszentrum CERN erhofft man sich Beleg für Existenz von Neutralinos

San Jose - Zwei Jahre hat er pausiert, nun soll der leistungsstärkste Teilchenbeschleuniger der Erde wieder in Betrieb genommen werden. Voraussichtlich in der letzten Märzwoche wird der Large Hadron Collider (LHC) am Europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf wieder eingeschaltet, verkündete Frederick Bordry, technischer Direktor des CERN. Wann genau das sein wird, ist noch nicht entschieden.

"Den genauen Tag können wir noch nicht vorhersagen. Wir müssen erst alle Tests abschließen, und Sicherheit geht vor", meinte Bordry am Samstag (Ortszeit) bei der Konferenz des weltgrößten Wissenschaftsverbands AAAS im kalifornischen San Jose.

Suche nach neuem Teilchen

Die Wissenschafter hegen die Hoffnung, dass das LHC nach der neuerlichen Inbetriebnahme Belege für ein neues, bisher nicht experimentell nachgewiesene Teilchen liefern wird. "Wenn wir Glück haben, könnte es dieses Jahr passieren", meint Physikprofessorin Beate Heinemann von der Universität von Kalifornien in Berkeley am Samstag (Ortszeit).

Die Wissenschafter würden auf die Entdeckung "einer anderen Welt", nämlich die der "supersymmetrischen Materie" hoffen, so Heinemann. Für sie wäre dies "noch faszinierender" als der Nachweis des Higgs-Bosons im Jahr 2012, betonte die Physikerin.

Nach der Theorie der Supersymmetrie haben alle Elementarteilchen einen schwereren Partner. Die Forscher suchen nach einem Nachweis des von dieser Theorie vorhergesagten Super-Teilchens namens Neutralino. Diese hochstabilen Teilchen könnten nach Ansicht von Physikern die sogenannte Dunkle Materie ausmachen.

Modernisierte Riesenmaschine

Seit Anfang 2013 wird der LHC umgerüstet und modernisiert. Nach dem Anschalten soll er Kollisionen mit bisher unerreichter Energie ermöglichen. Dann kann mit weit größeren Chancen als bisher die Suche nach Schwestern oder Brüdern des Higgs-Teilchens aufgenommen werden. Nach Vorstellung der Physiker durchzieht das Higgs-Feld das Universum wie eine Art unsichtbarer "Sirup", an dem sich die Teilchen reiben und somit Masse bekommen.

Die Vorfreude am CERN sei riesengroß, sagte die Heinemann: "Wenn ich in die experimentelle Physik hineingeboren werden würde und ich hätte nur zwei Jahre zu leben, dann würde ich mir die beiden kommenden Jahre aussuchen." Für die Vorhersage des Higgs-Teilchens hatten der Brite Peter Higgs und der Belgier François Englert 2013 den Physik-Nobelpreis erhalten. (APA/red, derStandard.at, 15.2.2015)

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