Vatikan findet 1,4 Milliarden Dollar

16. Februar 2015, 09:02
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Kardinal George Pell überraschte die 186 Kardinäle im Rahmen einer nicht offiziellen Konsistoriumssitzung mit "neu aufgetauchten Assets"

Rom/Mailand – Die Finanzpolitik des Vatikanstaates wird transparent. Das allein gleicht einem Wunder. Dass der sogenannte Finanzminister Kardinal George Pell vorigen Freitag die 186 Kardinäle im Rahmen einer nicht offiziellen Konsistoriumssitzung mit "neu aufgetauchten Assets im Wert von 1,4 Milliarden Dollar" (1,23 Milliarden Euro; Anm.) überraschte, ist ein weiteres Wunder. "Wir benötigen die zusätzlichen Mittel, um den Armen zu helfen", stellte der australische Kardinal klar. Offensichtlich will er möglichen Forderungen der römischen Kurie nach "anderer Verwendung" zuvorzukommen.

Pell hatte bereits im Dezember wissen lassen, dass bei einzelnen Dikasterien (Behörden der römischen Kurie; Anm.) "einige Hundert Millionen Dollar versteckt seien", deren Herkunft mehr als geheimnisvoll sei. Sie scheinen in der offiziellen Bilanz nicht auf. Nun wurde er konkret: Das "geheime" Vermögen summiere sich auf 1,4 Milliarden Dollar.

Reform steht bevor

Die Reform der Vatikan-Finanzen sieht vor, dass einige der bislang finanziell unabhängigen Dikasterien unter die Fittiche von Pells neuem Sekretariat für Wirtschaftsfragen des Vatikans kommen. Zu den Befürwortern dieser Maßnahme zählt auch der Wiener Kardinal Christoph Schönborn, der am Wochenende die "Fortschritte bei den Finanz- und Wirtschaftsreformen" würdigte.

Kardinal Wilfried Fox Napier aus Südafrika ließ jedoch wissen, dass die von Papst Franziskus gewollten Reformen auch auf Widerstand stoßen. "Schluckbeschwerden einzelner Dikasterien sind umso heftiger, je größer diese Dikasterien sind", sagte er der US-Agentur CNS und verwies namentlich auf die Missionskongregation "Propaganda Fide". Sie verfügt bisher über einen eigenen Haushalt mit umfangreichem Immobilienbesitz und residiert in einem noblen Palast an der Spanischen Treppe in Rom. Pell bestätigt, dass die Reformen nicht überall auf Zustimmung stoßen. Aber: "Es handelt sich um einen kleinen Teil der Kurie, die versucht, großen Widerstand zu leisten." (tkb, DER STANDARD, 16.2.2015)

  • Da waren die Kardinäle ganz schön überrascht: Ein vatikanisches Finanzwunder wurde ihnen zuteil.
    foto: ap/andrew medichini

    Da waren die Kardinäle ganz schön überrascht: Ein vatikanisches Finanzwunder wurde ihnen zuteil.

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