"Tatort: Blutschuld": Tolle Olle in Leipzig

Ansichtssache15. Februar 2015, 18:37
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Simone Thomalla ist von Haus aus keine Virtuosin der Gesichtsausdrücke. Problematisch wird das im "Tatort: Blutschuld", wenn sie gemeinsam mit Kollege Keppler (Martin Wuttke) eine arg zugerichtete männliche Leiche findet.

foto: orf/ard/steffen junghans

"Warum so martialisch?", spricht Thomalla in ihrer Rolle als Eva Saalfeld voll Erstaunen. Der Kollege, nicht umsonst professioneller Mordermittler, weiß zum Glück sogleich die Antwort: "Wut, Hass ..."

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Und dann der Moment: Saalfeld stiert auf den blutbesudelten Tatort. Ist sie bestürzt? Denkt sie scharf nach? Denkt sie überhaupt nach? Man weiß es nicht.

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Ähnlich unmotiviert geht es weiter in dieser Geschichte eines nahezu alttestamentarischen Rachefeldzuges, irgendwo zwischen Kolportage und Daily Soap. Da wird gemordet, überfahren, missbraucht, gesoffen, bestochen. Da laufen Menschen mit Messern im Hals zu Rockmusik durch das stilvoll heruntergekommene Leipzig, als wäre es ein Musikvideo.

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Die Kommissare rumpeln dazu durch die Handlung, als wären alle Personen außer ihnen keine Menschen, sondern pure Staffage, an der man die auswendig gelernten Sätze abladen kann. "Gibt es in Ihrer Familie irgendwelche Probleme?", fragt allen Ernstes Saalfeld die zwei Frauen, die gerade ihren erschlagenen Mann bzw. Vater gefunden haben.

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Statt zu ermitteln, werden die Verdächtigen (und hier ist jeder verdächtig!) mit der vollen Selbstgefälligkeit der Exekutive bedacht. Auch in Privatfragen beraten die Kommissare gerne. Und Saalfeld kriegt tatsächlich eine junge Frau ins Drehbuch geschrieben, die ihr strahlenden Auges ins Gesicht haucht: "Sie sind toll." Das trifft es dann leider doch nicht ganz. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 16.2.2015)

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Holger Gertz attestiert in der Süddeutschen Zeitung: "Es ist der vorletzte Fall von Saalfeld/Keppler, das merkt man. Sie berühren nicht, weil sie sich nicht mehr rühren."

Auch Christian Buß vom Spiegel lässt manches ratlos zurück: "Nicht nachvollziehbar ist, weshalb die Müllhändler-Tochter die Kommissarin anhimmelt und die ganze Zeit sagt, wie toll sie doch sei. Als mütterliche Instanz funktioniert Thomalla nun wirklich nicht."

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