Prognosen: SPD gewinnt in Hamburg, Absolute weg

15. Februar 2015, 18:36
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Die SPD schneidet bei der Hamburger Landtagswahl wieder stark ab, die CDU hingegen verliert massiv an die eurokritische AfD. Und die FDP feiert wieder einmal

Hamburger Verhältnisse - die würde sich SPD-Bundeschef Sigmar Gabriel auch in Berlin wünschen. 48,4 Prozent hatte die SPD vor vier Jahren eingefahren, danach durfte Bürgermeister Olaf Scholz vier Jahre lang allein regieren. Am Sonntag konnte er sich nach ersten Hochrechnungen trotz leichter Verluste auch über ein starkes Ergebnis freuen, nämlich 46,5 Prozent.

Das dürfte auch Scholz innerparteilich stärken. Von 2007 bis 2009 war er Bundesminister für Arbeit und Soziales, in dieser Zeit wurde er oft als "Scholzomat" verhöhnt, weil er auf Fragen so trockene und oft ein wenig bürokratische Antworten gab.

Doch mittlerweile gilt Scholz, der seit 2009 auch Vizechef der Bundes-SPD ist, als Hoffnungsträger in der an Hoffnungsträgern nicht unbedingt reich gesegneten SPD. Ein bisschen langweilig, aber seriös und solide - Scholz ist für viele der Gegenentwurf zum oft deutlich sprunghafteren Gabriel. Am Wahlabend erklärte Scholz auch: "Ich hoffe, dass das ein Schub für die SPD ist."

Allerdings muss er sich jetzt einen Partner suchen, für die Absolute reicht es nicht mehr. Obwohl sich Scholz selbst als sozialliberal bezeichnet, will er mit den Grünen, die sich leicht von 11,2 auf 11,9 Prozent verbesserten, reden und nicht mit der FDP. Bei dieser herrschte am Wahlabend die ausgelassenste Stimmung, denn sie schaffte den Wiedereinzug ins Parlament.

Das ist Balsam für die geschundene Seele der deutschen Liberalen. Seit sie im Herbst 2013 aus dem Bundestag flogen, verzeichneten sie nur noch Misserfolge. "Die Freude und die Erleichterung sind groß, aber wir bleiben auf dem Teppich, denn morgen muss weiter hart gearbeitet werden" , erklärte FDP-Chef Christian Lindner am Wahlabend. Er will die Partei 2017 wieder in den Bundestag zurückführen. Ein Erfolg wie in Hamburg kommt natürlich auch ihm gelegen, wenngleich dieser in Hamburg der Spitzenkandidatin Katja Suding zugeschrieben wird. Sie posierte im Wahlkampf in Drei Engel für Charlie-Pose, was für viel Gesprächsstoff sorgte.

CDU verliert stark

Weniger erbaulich hingegen ist das Hamburger Ergebnis für die CDU. Sie sackte von ohnehin schon bescheidenen 21,9 Prozent im Jahr 2011 am Sonntag auf rund 16 Prozent ab. Noch vor zehn Jahren hatte die CDU 47,2 Prozent eingefahren, damals konnte ihr beliebter Bürgermeister Ole von Beust dann allein regieren. Doch als von Beust 2010 nach neunjähriger Amtszeit zurücktrat, ging es mit der CDU in der Hansestadt nur noch bergab.

Bei der Wahl am Sonntag verlor sie ziemlich viele Wähler an die eurokritische AfD (Alternative für Deutschland). Diese war zum ersten Mal bei der Hamburger Bürgerschaftswahl angetreten, schaffte den Einzug mit 5,8 Prozent und ist somit im ersten westdeutschen Parlament vertreten. Im Vorjahr hatte sie in drei ostdeutschen Bundesländern vergleichsweise triumphal abgeschnitten: In Sachsen schaffte sie aus dem Stand 9,7 Prozent, in Thüringen 10,6, in Brandenburg sogar 12,2 Prozent. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 16.2.2015)

  • Olaf Scholz, Wahlsieger.
    foto: reuters/matzen

    Olaf Scholz, Wahlsieger.

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