Felderer: "Herabstufung Österreichs ist gerechtfertigt"

15. Februar 2015, 17:41
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Der Chef des Staatsschuldenausschusses, Bernhard Felderer, rechnet nicht mit einer baldigen Rückkehr Österreichs zur Rating-Bestnote AAA

Wien - Die Herabstufung der Bonität der Republik Österreich durch die Ratingagentur Fitch wird für Österreich "im Grund ohne Folgen bleiben". Das meint das Finanzministerium in Reaktion auf den Entzug der Bestnote AAA durch Fitch und das Downgrading auf AA+ zu Ende der Vorwoche. Die Verschlechterung ergibt sich laut Fitch daraus, dass der Schuldenberg voraussichtlich höher werde als bisher angenommen.

Laut einer Stellungnahme des Ministeriums handelt es sich aber nur um einen vorübergehenden Anstieg der Schulden, der "auf die Neuberechnung des Schuldenstandes nach dem europäischen System" und der Aufarbeitung von Schulden "aus diversen Bankenrestrukturierungen" zurückzuführen sei. Es handle sich um "eine Spitze, die 2015 erreicht wird und in den Folgejahren zurückgehen" werde. Und, so das von Hans Jörg Schelling (ÖVP) geführte Ministerium: Österreich bleibe "weiterhin eine der besten Adressen für Investoren".

Kaum Auswirkung auf Zinsen

Der Chef des Staatsschuldenausschusses, Bernhard Felderer, sieht das offenbar etwas anders. Felderer zeigte sich im Standard-Gespräch nicht überrascht über die Reaktion der Ratingagentur. "Das ist mehr als gerechtfertigt", verweist er auf den hohen Schuldenstand und das niedrige Wachstum in Österreich. Große Auswirkungen auf die Zinsen, die Österreich am Kapitalmarkt zahlen muss, erwartet der frühere Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS) aber nicht.

Der Unterschied zu Deutschland werde möglicherweise wieder etwas größer, auf der anderen Seite fehlten den Anlegern die Alternativen. In Europa haben nur noch Deutschland, Finnland, die Niederlande und Luxemburg ein Toprating bei zumindest zwei der drei großen Agenturen.

Banken kommen teuer

Dass Österreich in Bälde wieder in den Elitekreis zurückkehrt, glaubt Felderer nicht: "Das wird dauern." Der Bankensektor, auf den schon bisher elf Prozentpunkte der staatlichen Verschuldung zurückgehen, werde wohl weitere Kosten verursachen. Auch Haftungen und Schulden von Ländern und Gemeinden seien in den offiziellen Zahlen noch nicht voll enthalten. Zur Erinnerung: Vor allem die Abwicklung der Hypo wird sich heuer in den Schulden des Staats niederschlagen.

Vor Fitch hatte schon Standard & Poor's Österreich die Bestnote entzogen. (go; APA, DER STANDARD, 16.2.2015)

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