Kärnten: FPÖ und ÖVP verstecken sich gern

14. Februar 2015, 14:52
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Blaue und schwarze Kandidaten bevorzugen Namenslisten, stellen Partei in den Hintergrund

Klagenfurt - Bei den Kommunalwahlen in Kärnten erfreuen sich Namenslisten großer Beliebtheit. Zahlreiche eigentlich eindeutig einer Partei zugehörige Bürgermeister-Anwärter treten nicht unter ihrem Parteinamen an, vor allem bei FPÖ und ÖVP ist es offenbar en vogue, die Partei möglichst zu verstecken. Aber auch die beiden BZÖ-Landtagsabgeordneten kandidieren in ihren Heimatgemeinden mit Namenslisten.

Insgesamt 2.500 Mandate sind diesmal zu vergeben, das sind um 52 weniger als vor sechs Jahren. In 16 Gemeinden schrumpfte mit der Bevölkerungszahl auch jene der Gemeinderäte, lediglich drei Kommunen, nämlich Poggersdorf, Magdalensberg und Krumpendorf haben künftig 23 statt wie derzeit 19 Mandatare. Gestiegen ist die Zahl der wahlberechtigten EU-Bürger, von 11.580 auf 25.700. Insgesamt sind bei der Landeswahlbehörde 514 Wahlvorschläge eingereicht worden (2009: 506), 432 wollen einen der 132 Bürgermeistersessel erobern, unter ihnen gibt es insgesamt aber nur 35 Frauen.

Spitzenkandidat im Vordergrund

Zahlreiche Listen sind nach den jeweiligen Spitzenkandidaten benannt, mit dem Parteinamen als Zusatz, wie etwa beim Moosburger ÖVP-Bürgermeister Herbert Gaggl. "Wir treten als Team Herbert Gaggl/ÖVP Moosburg an, das hat aber nichts mit einem Verstecken der ÖVP zu tun", betont Gaggl. Bei ihm als Landtagsabgeordneter wäre das auch nicht sinnvoll, "es weiß ja eh jeder, wo ich hingehöre". In Grafenstein, seit Jahrzehnten unter schwarzer Regentschaft von Valentin Deutschmann und mittlerweile seinem Sohn Stefan Deutschmann, tritt der Bürgermeister wie schon zuvor sein Vater mit der Liste Deutschmann an.

Wilhelm Korak und Johanna Trodt-Limpl, die für das BZÖ im Landtag sitzen, treten in Brückl bzw. Finkenstein nicht unter dem orangen Label an. Korak: "Ich wollte eine überparteilich orientierte Bürgerliste für Brückl erstellen, das ist der Grund für meine Entscheidung." Ähnlich argumentiert auch der Gemeindechef von Bad Kleinkirchheim, Matthias Krenn. "Es war ein klarer Wunsch meiner Fraktion, den wir diskutiert und einstimmig beschlossen haben, dass wir nicht als FPÖ antreten." Etikettenschwindel sei das keiner, jeder in der Gemeinde kenne ihn und wisse, wofür er stehe.

Der skurrilste Fall ist aber sicher jener der FPÖ in Gurk. Der dortige Langzeitbürgermeister Siegfried Kampl war vergangenen September aus der FPÖ ausgeschlossen worden. Trotzdem geht er als FPÖ-Kandidat in die Bürgermeisterwahl. Die Ortspartei hat den 78-Jährigen trotz des Ausschlusses einstimmig nominiert.

Und so unterscheiden sich die Zahlen der Landeswahlbehörde, was das Antreten der Parteien betrifft, teilweise recht deutlich von den eigenen Angaben der jeweiligen Parteien. Das BZÖ tritt als eigenständige Partei in fünf Gemeinden an, die Orangen selbst sprechen von 14 Kommunen, da sie die Namenslisten und Kooperationen mit einbeziehen. Die NEOS haben in sieben Gemeinden eine Kandidatur geschafft, das Team Stronach tritt in fünf Kommunen an.

Vergleiche mit dem Wahlgang 2009 werden schwierig, denn man kann das BZÖ von heute nicht mit jenem von 2009 vergleichen. Die Orangen 2009 entsprechen weitgehend der jetzigen FPÖ, die zwischenzeitlich ja auch FPK hieß. Zumal 2009 die FPÖ ebenfalls auf vielen Wahlzetteln zu finden war, damals waren die Blauen eine Splittergruppe jener Freiheitlichen, die Jörg Haiders BZÖ nicht akzeptierten und blau blieben. (APA, 14.2.2015)

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