"Evolve" im Test: Vier gewinnt nicht immer

15. Februar 2015, 12:00
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Turtle Rocks neuer Shooter macht Spieler zu Jägern und Gejagten - Ein spannendes Konzept, das nicht immer aufgeht

Alle gegen einen ist unfair, hieß es schon am Schulhof. Die Vorzeichen ändern sich jedoch, wenn der Gepiesackte ein gigantisches Monster ist, Feuer speien kann und mit seinen gewaltigen Tentakeln nach deinem Leben trachtet. Turtle Rock Studios‘ neuer Multiplayer-Shooter "Evolve" gibt allen drangsalierten Außenseitern eine Chance, es Bullies heimzuzahlen oder besser noch: Eine Menge nervenaufreibenden Spaß mit Freunden zu haben.

In einer fernen Zukunft auf fernen Planeten schlüpfen vier Spieler in die Rolle von Jägern, die menschliche Kolonien vor animalischen Ungetümen beschützen müssen - letzteren Part übernimmt wiederum ein fünfter Spieler. Alternativ werden bei weniger Teilnehmern die restlichen Charaktere vom Computer gesteuert.

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bild: evolve

Die Spur des Todes

So viel zum spannenden Konzept. In der Praxis bedeutet dies als Jäger die unterschiedlichen Fähigkeiten der Gruppenmitglieder zu kombinieren, um auf unwegsamen Terrains in hügeligen Dschungel und Schneelandschaften zu überleben. Über etwas gar zu offensichtlich gekennzeichnete Spuren wie wegfliegende Vögel oder leuchtende Abdrücke nimmt man die Fährte auf, versucht das Monster in die Enge zu treiben und feuert dann aus allen Rohren.

Mittels Jetpacks navigiert man gekonnt über Stock und Stein und hofft dabei, nicht in die Fänge des Widersachers oder eines anderen Wildtieres zu geraten. Fallensteller, Sanitäter, Unterstützer und Schütze müssen für einen Erfolg perfekt zusammenspielen und ihre Waffen präzise einsetzen. Als Monster versucht man hingen so flott wie möglich Beutetiere zu verspeisen und zu wachsen, bis man selbst für erfahrene Soldaten zu mächtig ist.

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Nicht alle Fallen schnappen zu

Es sind zwei komplett unterschiedliche Spielweisen, mit ihren eigenen Stärken und Schwächen. Als Felsbrocken schmeißende, Feuer speiende Bestie (Goliath), fliegender, elektrisierender Tod von oben (Kraken) oder teleportierender, täuschender Fiesling (Wraith) sehen die Gegner so klein wie Fliegen aus und dennoch hat man bei der Konfrontation oft das Gefühl auf Teflonpfannen einzuschlagen. Das macht die Matches zwar ausgeglichener, zehrt aber erwarteten Schub für den eigenen Gottkomplex. Gleichzeit hat man nicht die Alternative etwa klein zu bleiben und sich wie "Predator" zu tarnen und seinen Opfern aufzulauern.

Als Jäger wiederum läuft man ständig dem Ungetüm hinterher, um zu verhindern, das es weiter wächst und kann die Natur so kaum für Hinterhalte nutzen. Alles läuft zügig auf kolossale (und unübersichtliche) Showdowns hinaus, bei denen nicht selten einfach der Schnellere gewinnt. Erschwerend kam während des Testspielens auf der PS4 hinzu, dass das durchaus ansehnliche technische Gerüst unter Vollast das ein oder andere Mal nachgeben musste und die Bildrate einbrach. Gröbere Fehler oder Spielabstürze waren hingegen nicht zu verzeichnen.

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Viel zu tun, aber...

Für reichlich Beschäftigung sorgen nicht nur die steile Lernkurve sondern auch abwechslungsreiche Modi, bei denen es neben der Jagd beispielsweise um die Rettung von Zivilisten oder die Zerstörung brütender Monstereier geht. Hier zeigt sich im Vergleich, dass von Seiten der Entwickler noch reichlich am Balancing geschraubt werden muss. Denn bislang haben die Bewerbe noch enormen Einfluss darauf, welche Fraktion siegreich ist. So haben Jäger aus der Defensive (etwa beim Verteidigen einer Stellung) heraus meist bessere Chancen, da sie dass Terrain zu ihrem Vorteil nutzen können. Ebenso viel Zeit sollte daher dem Einstudieren der dicht bewachsenen und belebten Kulissen geschenkt werden.

Mit 12 Jägern (auf vier Klassen verteilt) gibt es reichlich Fertigkeiten freizuschalten - von den Waffen bis zur Agilität und Verteidigung. Nur drei (zugegeben sehr unterschiedliche) Monster wirken hingegen knausrig - zumal zusätzliche Charaktere nicht gerade billig sind. Dafür werden neue Maps und Modi frei erhältlich sein, um die Community nicht zu spalten. Die zu Beginn verfügbaren Karten sind aufwendig und detailliert gestaltet mit zahlreichen Höhenunterschieden (Achtung Wasser!).

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Fazit

Wer hauptsächlich alleine spielt, kommt beim Vollpreis von 60 Euro nicht auf seine Kosten. Dafür ist die storyarme Kampagne als Zusammenstückelung diverser Modi und Arenen zu dürftig. Und nur Bestie sein, gibt mangels Vielfalt auf Dauer ebenso zu wenig her. Wer hingegen forderndes Teamplay zu schätzen weiß und auf gute Online-Kameraden vertrauen kann, findet in "Evolve" ein aufregendes neues Jagdrevier, das sich über die kommenden Monate wohl aber noch stark wandeln dürfte, bis das Aufeinandertreffen der ungleichen Fraktionen weniger chaotische Züge angenommen hat. Potenzial hat das Fundament auf jeden Fall. (Zsolt Wilhelm [auf Twitter], derStandard.at, 15.2.2015)

"Evolve" ist ab 18 Jahren für PC, PlayStation 4 und Xbox One erschienen. Die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) liegt bei 59,99 Euro.

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das Testmuster für PS4 wurde von Take-Two zur Verfügung gestellt.

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