Sterbehilfe: Küng warnt vor Lockerung des Verbots

13. Februar 2015, 17:20
23 Postings

Die Empfehlung der Bioethikkommission sei "alarmierend", sagt der St. Pöltner Bischof

Wien - Auf die Empfehlungen der Bioethikkommission zu "Sterben in Würde" folgte teils heftiger Gegenwind vonseiten der ÖVP und der Ärzte. Wie berichtet, hat die Kommission eine Reform jenes Paragrafen empfohlen, der "Mitwirkung zum Selbstmord" mit einer Haftstrafe bedroht. Die Mehrheit der Ethikkommissionsmitglieder regte an, die Suizidbeihilfe in Ausnahmen straffrei zu stellen. Der St. Pöltner Bischof Klaus Küng bezeichnete dies am Freitag gegenüber der Kathpress als "alarmierend" und warnte vor einem "Dammbruch". Küng ist in der Bischofskonferenz für Lebensschutz-Fragen zuständig.

Die Bioethikkommission hat empfohlen, dass unter bestimmten Umständen volljährigen, einwilligungsfähigen Personen Assistenz zum Suizid zu erlauben. Das würde Straflosigkeit für Angehörige und persönlich nahe stehende Personen bedeuten, wenn sie einer an einer unheilbaren, zum Tode führenden Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung leidenden Person beim Suizid Hilfe leisten.

"Kann niemals Ausdruck von Liebe sein"

"Töten - auch die Mithilfe beim Selbstmord - kann niemals Ausdruck von Liebe und Mitgefühl sein", sagt Küng. Alles sollte daran gesetzt werden, "dass der vorhandene Konsens in Österreich, Euthanasie konsequent abzulehnen, nicht unterminiert wird." Er sieht einiges an begrifflichen Unschärfen in der Empfehlung, was auch ein Teil der Mitglieder der Bioethikkommission kritisiert habe. Acht der 25 Experten hatten sich in einer abweichenden Meinung gegen die Empfehlung ausgesprochen, ihnen dankte Küng.

Er ist selbst promovierter Mediziner und verwies denn auch "auf die im hippokratischen Eid begründete Aufgabe der Ärzte, zu heilen." Es habe wohl jeder Arzt irgendwann erlebt, "wie jemand, der in einer Phase tiefer Depression sich das Leben nehmen wollte, zutiefst dankbar ist, weil ihn der Arzt getröstet bzw. durch rasches therapeutisches Eingreifen gerettet hat".

Für Ausbau der Palliativmedizin

Positiv vermerkte Küng das einhellige Eintreten für den weiteren Ausbau der Palliativmedizin und der Hospizeinrichtungen. Auch die ebenfalls von der Gesamtheit mitgetragene Empfehlung, unverhältnismäßige medizinische Interventionen zu vermeiden und diesbezüglich eine größere Rechtssicherheit zu schaffen, sei "durchaus akzeptabel".

"Religion ist Privatsache" will mehr

Für die Initiative "Religion ist Privatsache" ging die Bioethikkommission wiederum nicht weit genug. Es gelte auch "zu klären, wie Personen, die aufgrund einer motorischen Behinderung den letzten Akt im Rahmen eines assistierten Suizids nicht selbstständig setzen können, nicht diskriminiert werden", hieß es in einer Aussendung. Die parlamentarische Enquetekommission zu "Würde am Lebensende", die parallel verlief und im März ihren Bericht vorlegt, sei zu einer "PR-Veranstaltung des Hospizverbandes, von Palliativmedizinern und Kirchenvertretern verkommen". (APA/spri, 13.2.2015)

Share if you care.