Haltung als gelebter Wert

13. Februar 2015, 17:06
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"Wo ich wohne bist du Niemand": Alfred Goubran und Gerhard Maurer legen einen Text- und Bildband vor

Kein Mensch ist auf diesen Fotos zu sehen. Nirgends. Und doch sind die 55 Bilder im Band Wo ich wohne bist du Niemand. Heimat/Identität, den der Autor und Musiker Alfred Goubran und der Fotograf Gerhard Maurer soeben vorlegten, belebt und von menschlichen Spuren durchzogen.

Neben den Fotos von Landschaften, die geradezu nach Geschichten schreien, sind es vor allem Behausungen, manche davon verfallen, Hütten, Häuser oder Wohnwagen, die sich durch den schön gestalteten Band ziehen. Es geht hier nicht um das spektakulär Schöne oder Auffällige. Ganz im Gegenteil, oft sind es scheinbar belanglose Details wie ein achtlos im Eck lehnender Besen oder eine verwitterte, an einer Fassade baumelnde Lichterkette, die den Fotos ihre Intensität verleihen.

Wie das Fotografieren ist auch das Schreiben ein Umgehen mit Dauer und Augenblick, das durch die Wahl der "Einstellung", der Perspektive viel über die Haltung des Autors sagt. Und Haltung als gelebter Wert ist ein Motiv, mit dem sich Alfred Goubran in seinem Prosa- und Essaywerk (u. a. Kleine Landeskunde und Der gelernte Österreicher) immer wieder auseinandersetzte - auch in diesem Band. Die im Buchtitel anklingenden Themen Heimat und Identität fasst Goubran in den Texten zu den Fotos breiter, er versteht sie im Sinn von Selbstbefragung und Selbstbewusstsein. Um einen Vater geht es in den Texten, um eine (Groß-)Mutter, um das Meer, um Schönheit und Anmut, um sprechende Steine und immer wieder um Bilder. Solche, die man hat oder sich innerlich macht. Formal variieren die Texte von mehrere Seiten umfassenden Prosa-Miniaturen über kurz umrissene traumartige Episoden bis zu Aphorismen.

Die Fotos und Texte des Bandes stehen mit- und nebeneinander, doch legen sie den Betrachter/Leser nicht fest, sie lassen ihm Raum für eigene Reflexionen. Dazu schrieb Goubran in seinem Essay Kleine Landeskunde: "Jedes tiefere Verstehen gründet in Zusammenhängen - sowohl ihrer Kenntnis als auch in ihrer Wahrnehmung. Das zielt im Letzten auf uns selbst. Und vielleicht darüber hinaus. Wo wir uns aus den Zusammenhängen nehmen - ja, schon wo wir es versuchen -, geschieht es immer auf Kosten des Bewusstseins. Und der Wahrheit." (Stefan Gmünder, Album DER STANDARD, 14./15.2.2015)

Alfred Goubran, Gerhard Maurer, "Wo ich wohne bist du Niemand. Heimat/Identität". € 30,- / 128 Seiten. Malandro, Klagenfurt 2015

Hinweis: Bis zum 15. 3. läuft in der Alpen-Adria-Galerie in Klagenfurt (Theaterplatz 3) die Ausstellung "Wo ich wohne bist du Niemand - Heimat/Identität", die auf dem Buch basiert. Täglich außer Montag von 10.00 bis 18.00 Uhr.

  • Artikelbild
    foto: lukas friesenbichler
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