Presserat: "Krone"-Artikel über Muslime verstößt gegen Ehrenkodex

13. Februar 2015, 12:45
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Artikel über muslimisches Opferfest verunglimpfte pauschal

Wien - Ein Artikel anlässlich des muslimischen Opferfestes, erschienen in der "Krone" vom 08.10.2014 verstößt laut Presserat gegen den Ehrenkodex für die österreichische Presse.

Der Artikel trägt die Überschrift: "Früh übt sich der Dschihadist von morgen." Daneben ist ein Bild veröffentlicht, das einen Buben im Alter von circa zehn Jahren mit einem arabischen Dolch in der Hand zeigt. Der Autor des Artikels hält fest, dass im Jemen "die Waffe schon von Kindesbeinen an ein fester Bestandteil des männlichen Wesens sei", und dass der Tanz beim (muslimischen) Opferfest "angeblich nur ein folkloristisches Ritual" sei, "aber man kann dennoch nie wissen...".

"Diskriminierung aus religiösen Gründen"

Der Senat des Presserats ist der Ansicht, dass diese Art der Berichterstattung "Muslime pauschal verunglimpft" und eine "Diskriminierung aus religiösen Gründen vorliegt". Beim Opferfest handele es sich um eines der wichtigsten religiösen Feste im Islam. Das bei dem Artikel abgebildete Kind führt offenbar einen traditionellen Tanz bei dem Opferfest vor. Dieser Auftritt im Rahmen der religiösen Feier wird nach Meinung des Senats im Artikel zu Unrecht mit Islamismus und Jihadisten in Verbindung gebracht.

Darin erkennt der Senat eine Pauschalverdächtigung: "Der Autor des Artikels setzt das Bild zum Opferfest dafür ein, Vorurteile zur schüren: Einerseits wird Muslimen generell Gewaltbereitschaft unterstellt. Andererseits wird vermittelt, dass jemenitische Kinder von kleinauf zum Jihadismus neigen." Der Artikel leiste auch der Simplifizierung Vorschub, dass der Islam mit Islamismus gleichzusetzen sei. Der Senat forderte die Medieninhaberin der "Kronenzeitung" auf, die vorliegende Entscheidung freiwillig zu veröffentlichen. (red,, derStandard.at, 13.2.2015)

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