Uber: Seoul schickt Kopfgeldjäger ins Feld

16. Februar 2015, 05:30
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Die Behörden greifen in Südkoreas Hauptstadt zu drastischen Mitteln, um den US-Fahrdienst in die Schranken zu weisen

Der US-Taxidienst Uber hat viele Freunde und wohl noch mehr Feinde. Wer sein Geld in das im Silicon Valley aus der Taufe gehobene Unternehmen investiert, zählt wohl zu Ersteren, zahlreiche Kommunalbehörden und angestammte Taxiunternehmen ganz sicher zu Zweiteren. Der Dienstleister, der mit seiner App Kunde und Lenker verbindet, ficht mittlerweile weltweit mit zahlreichen Behörden seine Sträuße aus. Besonders kuriose Formen nimmt derzeit ein Konflikt mit der Stadtregierung von Seoul an.

Die Behörden greifen in der südkoreanischen Hauptstadt nun zu drastischen Mitteln, um den Fahrdienst in die Schranken zu weisen: Dieser Tage wurde beschlossen, eine Art Kopfgeld auszusetzen. Wer einen illegalen Uber-Fahrer ertappt und verpfeift, kann mit bis zu einer Million Won (umgerechnet rund 800 Euro) rechnen, berichtete die "Korea Times".

Dauerkonflikt mit der Kommunalbehörde

Der Konflikt mit den Behörden zieht sich bereits seit geraumer Zeit. So wurden Uber-CEO Travis Kalanick und seine Führungskräfte vor Ort angeklagt, nichtgenehmigte Taxidienste anzubieten. Dass sein Dienst illegal ist, gibt Uber auch offen zu. Lange setzte man aber auf die Kraft der Argumente: Man biete den Bürgern eine technische Innovation und werde von diesen auch "willkommen geheißen und unterstützt".

Das Unternehmen appellierte an die Stadtregierung, die Fahrer nicht zu bestrafen, würden diese doch ihren Lebensunterhalt durch Uber-Taxiservices verdienen. Auch an Seouls Bürgermeister Park Won-soon richtete man den Wunsch, die Gesetzeslage doch anzupassen, um es den Bürger zu ermöglichen, Carsharing zu nutzen. Die Zahl der Autos auf der Straße zu senken könne nur im Interesse aller sein. "Das würde wiederum zu Seouls Bemühungen beitragen, ein Vorbild in Sachen Sharing-City zu werden", wird Uber-Asien-Chef Allen Penn zitiert.

Fehlende Sicherheitsmaßnahmen

Die Stadtregierung von Seoul beruft sich hingegen auf die fehlenden Sicherheitsmaßnahmen, die öffentliche Verkehrsmittel wie Taxis zu erfüllen hätten. "Uber versucht einfach Gewinn zu machen", zeigt etwa Kim Kyung-ho, Leiter der städtischen Verkehrsabteilung, wenig Entgegenkommen. Die Stadt werde hart gegen Autoverleihdienste und Fahrer vorgehen, die mit Uber kooperieren. Seine Hoffnung liegt jetzt auf der Wirkung des Kopfgeldprogramms.

Dass moderne Taxidienstleistungen auch in Seoul funktionieren, macht der lokale Service-Provider Daum Kakao vor: Seine App "Kakao Taxi" ist populär und legal, weil sie auf von der Stadt genehmigte Taxis zurückgreift – ähnlich wie in Österreich, wo Uber-Fahrgäste an konzessionierte Mietwagenunternehmen vermittelt werden. Zwar haben diese Firmen weniger Pflichten als Taxler, doch immerhin unterliegen die Lenker wie auch die Taxilenker dem Kollektivvertrag für das Personenbeförderungsgewerbe.

In Südkorea setzt Uber indes auf seine bewährte Strategie: weitermachen. Den ertappten Fahrern will man die Strafen zurückerstatten. Der Streit wird demnächst vor Gericht ausgetragen, sein Ausgang mit Spannung erwartet. Uber will bis dahin durchhalten. (rebu, derStandard.at, 13.2.2015)

Hintergrund: Mietwagen ist nicht gleich Taxi

Taxis und Mietwagen unterliegen in Österreich unterschiedlichen Regeln: Mietwagenfahrer brauchen keinen Nachweis einer erfolgten Ausbildung, keine ausreichenden Kenntnisse der deutschen Sprache und keine Prüfung, die Voraussetzungen für den Taxilenkerausweis sind. Taxis müssen einen Fahrpreisanzeiger (Taxameter) haben, Mietwagen nicht. Die Fahrpreise von Taxis sind durch einen vom jeweiligen Landeshauptmann festgelegten Tarif geregelt, bei Mietwagen werden die Preise frei vereinbart. Taxis sind verpflichtet, den kürzesten Weg zu fahren, Mietwagen nicht. Taxis haben eine Beförderungspflicht, Mietwagen nicht. Für Taxis gelten auch strengere Abgasvorschriften als für Mietwagen.

  • Taxler in Seoul protestieren.
    foto: epa/yonhap

    Taxler in Seoul protestieren.

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