Katholische Kirche kritisiert "hochselektives" Bildungssystem

13. Februar 2015, 12:05
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Kirchliches Zukunftsforum für "Recht auf Bildung von drei bis 19 Jahren"

Wien - Einen Perspektivenwechsel in der Bildungspolitik fordert das "Zukunftsforum der katholischen Kirche in Österreich". Statt sich in der Debatte über eine gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen aufzureiben, solle die gesamte Bildungszeit von drei bis 19 Jahren in den Blick genommen werden, heißt es in einem Thesenpapier. Das derzeitige System sei "hochselektiv" und ein "massives Bildungshindernis".

Für problematisch hält das Zukunftsforum "unser hochselektives Vorgehen, insbesondere die Trennung in der Schule der Zehn- bis 14-Jährigen": "Dieses beginnt bereits lange vor dem Schuleintritt und funktioniert über Zuschreibungen wie Migrationshintergrund, soziale Benachteiligung, Entwicklungsverzögerung, Geschlecht. In der Schule wird es über die Beurteilung von Leistungen (Noten) und Verhalten fortgesetzt."

Übergänge als Brüche

Kinder und Jugendliche würden ausgesondert, wenn sie nicht die notwendige Unterstützung und Förderung durch ihr soziales System erhalten könnten. "Selektion als Strukturmerkmal in einem System verhindert, dass gefragt wird, warum hier nur Kindergartenkinder und SchülerInnen aus einer bestimmten gesellschaftlichen Gruppe anzutreffen sind." Außerdem werde sehr stark auf die Defizite fokussiert, "wodurch die Talente und Fähigkeiten aus dem Blickfeld geraten": "Dem gegenüber wäre aus christlicher Perspektive vielmehr die Gleichwürdigkeit der SchülerInnen zu beachten, damit sie in ihren individuellen Bedürfnissen und Fähigkeiten berücksichtigt und wertgeschätzt werden können."

Vor allem bei den Übergängen vom Kindergarten in die Volksschule und von der Volksschule in die AHS oder Neue Mittelschule würden sich innerhalb des derzeitigen Schulsystems "sehr große Brüche in den Lernbiografien" vieler Schüler ergeben. "Dies wird bedingt einerseits durch die Auswahl der Bildungseinrichtungen, die bestimmten Gesellschaftsschichten einen Startvorteil bietet und andererseits durch die sozialen und kognitiven Anforderungen, die Kinder in einem neuen Lernumfeld, mit neuen AltersgenossInnen, LehrerInnen, Erwartungen, Zuschreibungen etc. zu bewältigen haben."

"Recht auf Bildung"

Das Zukunftsforum fordert daher neben der gesetzlichen Schulpflicht ein "Recht auf Bildung von drei bis 19 Jahren". Außerdem sollen Schuldirektoren Personal- sowie Ressourcenverantwortung sowie Schulen in sozialen Brennpunktgebieten eine spezielle Standortförderung erhalten. Im Kindergartenbereich brauche es ein einheitliches Bundesrahmengesetz sowie die Entwicklung einer "optimalen Aus- und Weiterbildung für KindergartenpädagogInnen auf tertiärer Ebene" und eine bessere Bezahlung.

Das von der Katholischen Aktion initiierte Zukunftsforum wird von der Österreichischen Bischofskonferenz und katholischen Laienorganisationen und -initiativen gemeinsam getragen. (APA, 13.2.2015)

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