Mehr spekulative Entwicklungen in Europa erwartet

13. Februar 2015, 09:57
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22 Milliarden Euro wurden im Vorjahr in Industrie- und Logistikimmobilien investiert, mehr als ein Drittel davon in Großbritannien

Im Vorjahr wurden laut einem aktuellen Bericht von Colliers International insgesamt 22 Milliarden Euro in den europäischen Industrie- und Logistikimmobiliensektor investiert. Damit wurde im Raum EMEA (Europa, Nahost, Afrika) das Niveau von 2007 übertroffen, heißt es im "EMEA Industrial & Logistics Snapshot 2015" des weltweit tätigen Immobiliendienstleisters. Der Anstieg von 2013 auf 2014 betrug 26 Prozent.

Großbritannien erwies sich 2014 neuerlich als der stärkste und attraktivste Markt und lockte mit 8,3 Milliarden Euro mehr als ein Drittel des investierten Kapitals auf die Insel. Das war immerhin mehr als das Doppelte der nächstgrößeren Märkte Nordische Länder (3,7 Mrd.) und Deutschland (3,6 Mrd.).

Großbritannien führend

"Der Markt erholt sich sehr rasch, speziell in Großbritannien, das den EMEA-Sektor anführt", kommentiert Tim Davies, Leiter der EMEA-Industrieabteilung bei Colliers International. "Das Mietwachstum war ausgesprochen stark in Großbritannien, ebenso in Schweden, vor allem in Stockholm. Generell, schaut es in allen wichtigen Märken in Europa sehr positiv aus, und auch die Sekundärlagen ziehen nach." Besonders hervorzuheben sei auch die Wiederbelebung des Marktes in Spanien und Irland durch mehrere bedeutende Deals.

Im Allgemeinen sei der europäische Industrie- und Logistiksektor stark unterversorgt, "was bedeutet, dass wir sowohl bei den Mieteinnahmen, als auch den Kapitalwerten erwarten können, dass diese weiter zunehmen", so Davies, der außerdem für heuer mehr spekulative Entwicklungen erwartet. 2014 kam es in ganz Großbritannien, in Polen, in der Tschechischen Republik und in Schweden zu einer Rückkehr der spekulativen Entwicklungen.

Österreich: Sinkende Mieten und Renditen

Für Österreich weist Colliers aktuell Spitzenmieten von 4,50 Euro aus. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückgang von rund fünf Prozent, ebenso sank die Spitzenrendite in diesem Zeitraum um 100 Basispunkte auf nunmehr 7,25 Prozent.

Die Mietpreise in Deutschland seien 2014 weitgehend stabil geblieben, mit einem Anstieg nur in München und Stuttgart (4,8 bzw. 1,8 Prozent). Das Angebot in Deutschland sei vor allem von sogenannten "Turnkey-Projekten" (Schlüsselfertige Projekte) wie z.B. Home24’s Lagerhaus in Berlin und dem Interesse an kleineren Einheiten in der Nähe von größeren Städten wie Frankfurt und dort vor allem durch den E-Commerce und Lebensmittelhandel angetrieben worden.

In Dänemark, Schweden und Norwegen hätten die vorhandenen Bestandsflächen den Anforderungen der Besitzer nicht gerecht werden können, weshalb wenige Transaktionen stattfanden und das Mietniveau gleich blieb. Die Ausnahmen waren Stockholm (plus 9,1 Porzent) und Göteborg (plus 4,5 Prozent). Als Reaktion auf den Mangel an qualitativ gutem Bestand und durch die niedrigen Baukosten in Dänemark würden nun viele Eigentümer erwägen, in Kopenhagen ihre eigenen Räumlichkeiten zu entwickeln anstatt zu leasen. Auch in Schweden begannen laut dem Bericht mehrere Grundbesitzer mit spekulativen Entwicklungen. (red, derStandard.at, 13.2.2015)

  • Es mangelt an qualitativ hochwertigen Bestandsflächen im Industrie- und Logistiksegment, weshalb Experten eine Zunahme an spekulativ errichteten Flächen erwarten bzw. auch bereits beobachten.
    foto: reuters/wattie

    Es mangelt an qualitativ hochwertigen Bestandsflächen im Industrie- und Logistiksegment, weshalb Experten eine Zunahme an spekulativ errichteten Flächen erwarten bzw. auch bereits beobachten.

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