Wien Energie bleibt auf Sparmodus

12. Februar 2015, 18:02
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Ungewissheit zu Kraft-Wärme-Förderung schmerzt

Wien - Wien Energie, größtes Stromverteilunternehmen Österreichs und neben den Wiener Linien die zweite Säule der Wiener Stadtwerke Holding AG, bleibt auf Sparkurs - und muss diesen möglicherweise noch intensivieren. Grund ist die Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Wegen der Verwerfungen auf den Energiemärkten rentiert sich diese auf absehbare Zeit ohne entsprechende Förderungen nicht mehr.

Die Zeichen standen bisher ganz gut für Wien. 38 Millionen Euro waren im Zuge der Verhandlungen um ein Energieeffizienzgesetz paktiert worden, netto immerhin 34 Millionen für ganz Österreich. Etwa 15 Millionen wären Wien Energie zugutegekommen - finanziert über eine Umlage durch alle Strombezieher Österreichs.

Das Energieeffizienzgesetz ist zwar, wenn auch mit Störgeräuschen wie der neu vorzunehmenden Ausschreibung der Monitoringstelle, mit 1. Jänner in Kraft getreten; das KWK-Geld liegt aber auf Eis, weil das Unbedenklichkeitsattest der EU-Kommission fehlt. Im Moment ist völlig offen, wann Brüssel entscheiden und ob es tatsächlich grünes Licht für die geplante Förderung geben wird.

"Wenn wir das Geld nicht bekommen, muss das sonst wie ausgeglichen werden," sagte Stadtwerke-Chef Martin Krajcsir am Rande einer Studienpräsentation zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Wiener Stadtwerke. Was das im Detail heißen könne, beantwortete Krajcsir folgendermaßen: "Zum laufenden Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsprogramm kann es da und dort noch zusätzliche Maßnahmen geben."

Abschreibungen seien aus diesem Titel keine mehr zu gewärtigen, die Gaskraftwerke hat Wien Energie 2013 auf null wertberichtigt. KWK-Anlagen, bei denen zusätzlich zur Stromproduktion Wärme ausgekoppelt wird, galten vor wenigen Jahren noch als Non-Plus-Ultra, steigt der Wirkungsgrad damit doch beträchtlich.

Volkswirtschaftlich wichtig

Inzwischen ist es aber häufig günstiger, Strom etwa aus Deutschland zuzukaufen, als selbst zu produzieren. Da die Wärmeversorgung vieler Haushalte an den Wien-Energie-Kraftwerken hängt, muss Strom produziert werden, auch wenn es sich nicht lohnt. Neben Wien Energie würden auch Linz Energie, Salzburg AG, Verbund und Kelag von einer KWK-Förderung profitieren. Klar ist, dass das Geld nicht rückwirkend fließen kann, sondern erst ab Notifizierung. "Wir hoffen noch immer", sagte Krajcsir.

Trotz Gegenwinds wollen die Wiener Stadtwerke (rund 16.000 Beschäftigte, etwa drei Mrd. Euro Umsatz) weiter kräftig investieren - bis 2019 rund vier Mrd. Euro. Laut einer am Donnerstag präsentierten Studie stehen die Stadtwerke direkt und indirekt für eine Wertschöpfung von 5,7 Mrd. Euro und mehr als 64.000 Arbeitsplätze in Wien. Vizebürgermeisterin Renate Brauner (SP) sprach im Zusammenhang mit den Stadtwerken von einem "zentralen Player". (Günther Strobl, DER STANDARD, 13.2.2015)

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