Prekäre Versorgungslage im Donbass

12. Februar 2015, 17:55
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Viele Dörfer und Kleinstädte vom Nachschub abgeschnitten - Private Initiativen

Seit Monaten organisiert Alexej Alexejew, Wirtschaftswissenschafter und Tankstellenbetreiber, ehrenamtliche Helfer von Oborona Mariupol, einer NGO, die sich dem Schutz der Hafenstadt am Asowschen Meer verschrieben hat. "Als ich heute zur Tankstelle gekommen bin, gab es wieder schwere Kämpfe im Osten der Stadt", berichtet er telefonisch nach Kiew.

Wie in vielen anderen Städten und Dörfern im Donbass haben die Bewohner von Mariupol sehr schwere Monate hinter sich. "Im Sommer waren die Russen so weit, uns zu überrennen", erinnert sich Alexej. "Wir alle haben den Wunsch, dass der Frieden bald zurückkommt, doch wir spüren auch, dass wir vielleicht noch lange Geduld haben müssen."

Auch Experten gehen davon aus, dass der Frieden nicht über Nacht in den Donbass zurückkehrt. Der Politologe Alexej Garan von der Kiewer Mohyla-Akademie sagte der Onlineausgabe der Tageszeitung Segodna, das Wichtigste nach der Waffenruhe sei die Schaffung einer Pufferzone. Nur damit lasse sich dauerhaft der Beschuss stoppen. Wenn es nicht gelinge, die Kämpfe einzustellen, führe das in den betroffenen Regionen auch zu einer "völligen Demoralisierung der dort verbliebenen Bevölkerung".

Bereits jetzt sind etliche Dörfer und kleinere Städte von der Versorgung mit Lebensmitteln abgeschnitten. In den größeren Städten hätten größtenteils Privatleute die Versorgung der Menschen übernommen, unter anderem die Stiftung des Oligarchen Rinat Achmetow. Sie soll nach Schätzungen fast 400.000 Menschen im Donbass mit Lebensmitteln, Medikamenten und technischer Ausrüstung versorgen. Die "Regierungen" der "Volksrepubliken" Donezk und Luhansk sind offenbar überfordert. (Nina Jeglinski aus Kiew, DER STANDARD, 13.2.2015)

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