Bodentruppen gegen "Islamischen Staat": Aller Augen auf Jordanien

Kommentar12. Februar 2015, 17:44
16 Postings

In der Region droht ein neuer Krieg

Der amerikanische Präsident Barack Obama irritiert wieder einmal Gegner und Gefolgsleute gleichermaßen: Er sucht im Kongress eine neue Autorisierung für den bereits seit Sommer 2014 laufenden Krieg gegen den "Islamischen Staat" (IS) zu erwirken, die auch einen - wenngleich limitierten - Einsatz auf dem Boden erlauben würde. Gleichzeitig schlägt er ungewöhnlicherweise eine Beschränkung des Mandats auf nur drei Jahre vor. Aber das prinzipiell grüne Licht, das der US-Präsident 2001 für den globalen Krieg gegen den jihadistischen Terrorismus bekommen hat, bleibt ohnehin bestehen.

Es sieht beinahe so aus, als würde Obama einen zeremoniellen Akt setzen wollen, mit dem er untermauert, was die US-Strategen seit Monaten predigen: Der Krieg gegen den "Islamischen Staat" wird den Rest seiner Amtszeit dauern, und es könnten auch noch andere Mittel zum Einsatz kommen als die Luftwaffe der USA und ihrer Verbündeten.

Bewegung im Krieg gegen die IS liegt in der Luft: Fast täglich wirft jemand seine Meinung in die Schlacht, dass es auf Dauer ohne Bodentruppen nicht gehen wird - gemeint sind zusätzliche zu den irakischen, über deren Einsatzfähigkeit sich niemand Illusionen macht. Dazu gibt es die Befürchtung, dass, wenn die heute schiitisch konnotierte irakische Armee eine Offensive zur Befreiung der Stadt Mossul startet, viele der sunnitischen Bewohner erst recht wieder die IS-Milizen unterstützen werden. Das gilt aber wahrscheinlich auch, wenn kurdische Peschmerga oder US-Soldaten am Horizont auftauchen. Die Tendenz geht also zu "arabischen Stiefeln auf dem Boden", wie der Kommentator Tariq Alhomayed in Asharq Al-Awsat fordert.

Aller Augen blicken auf Jordanien. Die Ermordung des jungen Piloten hat König Abdullah zumindest vorübergehend einen nationalen Schulterschluss gegen den "Islamischen Staat" - der viele Anhänger im Königreich hat - verschafft. Tausende jordanische Truppen seien an die irakische Grenze verlegt worden, wird seit Tagen gemeldet. Aber Mossul ist weit weg - weniger weit weg sind die Kampfgebiete in Syrien, wo Jordanien in der syrischen "IS-Hauptstadt" Raqqa bereits Luftschläge fliegt. Das verbale Sperrfeuer, das Damaskus gegen Amman eröffnet hat, zeigt, dass in der Region eine jordanische Intervention für möglich gehalten wird. Das wären dann "Stiefel auf dem Boden" nicht nur gegen die IS, sondern vielleicht auch gegen das Assad-Regime - und ein neuer Krieg. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 13.2.2015)

Share if you care.