CD-Labor für Glycerin Biotechnologie an der Universität für Bodenkultur

16. Februar 2015, 11:39
7 Postings

Im Zentrum der Forschung steht die Frage, wie man das Biotreibstoff-Nebenprodukt Glycerin weiterverarbeiten kann

Wien - Bei der Erzeugung von Biotreibstoffen aus Pflanzenöl fällt als Nebenprodukt viel Glycerin an. Im Mittelpunkt der Forschung an einem neuen, an der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien eingerichteten Christian Doppler-Labor (CD-Labor) werden zwei Mikroorganismen stehen, die Glycerin in industrietaugliche Wertstoffe umwandeln können, wie die Universität aktuell mitteilte.

Durch die Produktionserhöhung bei Biodiesel kam es in den vergangenen Jahren zu einer Überproduktion an Glycerin, das ungefähr zehn Prozent der Gesamtproduktionsmenge ausmacht. In Folge dessen sanken auch die Preise. Das Interesse seitens der Industrie an einer Weiterverarbeitung ist daher groß. Im Mittelpunkt steht die Kunststoff- oder Lösungsmittelherstellung. Ausgangsstoffe hierfür werden momentan noch vorwiegend aus Erdöl hergestellt.

Milchsäurebakterium und Hefe

In dem neuen CD-Labor für Glycerin Biotechnologie an der Boku setzt man auf zwei Mikroorganismen, die Glycerin umwandeln können: das Milchsäurebakterium Lactobacillus diolivorans und die Hefeart Yarrowia lipolytica. Beide hätten sich in dieser Hinsicht bereits bewährt. Der Unternehmenspartner des neuen Labors, das Wiener Biotechnologie-Unternehmen Vogelbusch, entwickelte schon einen Prozess zur Herstellung eines wichtigen Grundstoffes für Kunstfasern, bei dem man sich des Stoffwechsels von L. diolivorans bedient.

Die Forscher wollen nun das Produktspektrum dieser Organismen erweitern. Ein Kernpunkt sei hier die Erforschung des Zusammenspiels ihrer Struktur und ihres Aufbaus mit dem Stoffwechsel. Die untersuchte Hefe kann etwa einzellig wachsen oder mehrzellige Strukturen ausbilden. Je nachdem wie sie wächst, ändere sich das Spektrum der gebildeten Stoffe. "Dass es diesen Zusammenhang gibt, ist schon lange bekannt; über die genauen molekularen Grundlagen wissen wir aber überraschend wenig", so der Leiter des Labors, Michael Sauer.

Ziel der CD-Laboratorien ist die Förderung der anwendungsorientierten Grundlagenforschung und der Brückenschlag zwischen Universitäten und Wirtschaft. Jedes der maximal sieben Jahre bestehenden Labors wird zur Hälfte von Industrie-Partnern finanziert, die andere Hälfte übernimmt die aus öffentlichen Mitteln gespeiste gemeinnützige Christian Doppler Forschungesellschaft (CDG). (APA/red, derStandard.at, 16.2.2015)

Share if you care.