High Noon auf der Raubvogelpiste

12. Februar 2015, 16:37
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Rund um Mittag steigt am Freitag in Beaver Creek ein echter Showdown: Titelverteidiger Ted Ligety und Marcel Hirscher streiten um die Goldmedaille im Riesentorlauf. Die Statistik spricht deutlich, aber für beide

Beaver Creek - Heißt man Marcel Hirscher, ist es nicht ganz einfach, die Favoritenrolle in einem Riesentorlauf von sich zu weisen, zumal in einer Saison, in der man vier der bisher fünf einschlägigen Rennen gewonnen hat und den Spezialweltcup recht bequem anführt. Marcel Hirscher ist nicht nur Marcel Hirscher, sondern heißt auch so, dennoch weist der Salzburger für den heutigen Riesentorlauf die Favoritenrolle von sich und Ted Ligety zu. "Favorit ist definitiv Ted. Seine technischen Fähigkeiten und seine Kurventechnik passen perfekt zu diesem Kurs. Er ist in Beaver Creek so gut wie unschlagbar. "

Das stimmt zwar nicht einmal fast, weist aber in die richtige Richtung. Elf Riesentorläufe auf der Raubvogelpiste hat der Mann aus Park City, Utah, bisher in Angriff genommen, fünf, davon die letzten vier en suite, hat er gewonnen. Im ersten Versuch scheiterte er 2005, also als 21-Jähriger, im ersten Durchgang. Je zweimal war Ligety Zweiter und Vierter, einmal Dritter. Dass der bisher letzte Bezwinger Ligetys in Beaver Creek Hirscher hieß, muss ja der, der Hirscher heißt, nicht sagen. Auch nicht, dass seine Serie vor Ort seit 2010 auch nicht ganz schlecht ist - Dritter, Erster, Zweiter, Zweiter, Dritter, Dritter.

Seit Ligety sich anschickte, seine Tyrannis über Beaver Creek zu errichten, haben neben Hirscher nur vier Läufer dieses Rennen für sich entschieden. Ligetys Landsmann Bode Miller (2005), der Italiener Massimiliano Blardone (2006) und der Schweizer Daniel Albrecht (2007) sind im aktuellen WM-Rennen nicht dabei. Benjamin Raich (2008) und der Schweizer Carlo Janka (2009) nehmen es mit ähnlich geringen Siegeschancen in Angriff.

Druckverteilung

Die Druckverteilung dürfte im Duell Hirscher vs. Ligety relativ gleichmäßig sein. Zwar betont Hirscher gefragt wie ungefragt, dass er sich für Vail/Beaver Creek nur eine Medaille, gleich welcher Farbe vorgenommen habe, was natürlich intendiert, dass nach bisher schon zweimal Gold (Kombi, Teambewerb) als paletti ist. Er versuche, sich nicht zu viel Druck zu machen und die Erwartungen ein bisschen zu reduzieren.

Allerdings ist anzunehmen, dass die Lust, sich an Ligety für die Niederlage bei der Heim-WM in Schladming zu revanchieren und Rang vier bei Olympia in Sotschi vergessen zu machen, eher noch gestiegen ist. "Jetzt geht's erst richtig los", hat Hirscher vor dem Riesentorlauf und dem Slalom am Sonntag folglich auch gesagt.

Ligety hat zwei seiner drei WM-Titel von vor zwei Jahren bereits verloren. Bronze in der Alpinen Kombination hinter Hirscher und Kjetil Jansrud war maximal ein Trostpreis, wenn auch nach einer eher schwachen Abfahrt eine Überraschung. "Manchmal ist es besser, glücklich zu sein, als gut zu sein", sagte der US-Star.

"Er wird daher für den Riesentorlauf schwer motiviert sein", sagt Hirscher. Dessen zuweilen eigenwilliger Kontrahent ist nach Einschätzung seines Cheftrainers, des Österreichers Patrick Riml, "in den vergangenen Monaten ein wenig in ein Loch gefallen. Ted hat aber in den vergangenen Wochen extrem hart an sich und dem Material gearbeitet." Unter anderem besonders intensiv unter den in Colorado zu erwartenden Bedingungen daheim in Park City.

Dem Material kommt bei den nun gegebenen Bedingungen, auf einer unter der Frühnachmittagssonne stark aufgehenden Piste, besondere Bedeutung zu. Für Hirscher, dem eher härtere Bedingungen liegen, macht das diesen "einfach lässigen" Riesentorlauf nicht gerade einfacher.

Und die Frage, mit der Hirschers Hinterstübchen regelmäßig massiert wird, macht es auch nicht einfacher. "Das wäre eine unglaubliche Geschichte, aber so weit sind wir noch lange nicht", sagt er, wenn es darum geht, dass er ja mit vier Stück Gold heimfahren könnte. (APA, lü, DER STANDARD, 12.2.2015)

  • Für Marcel Hirscher könnte es im Duell mit Ted Ligety eng werden,  weshalb der Favorit aus Österreich im Finish nicht eine Hundertstel  herschenken wird.
    foto: epa/george frey

    Für Marcel Hirscher könnte es im Duell mit Ted Ligety eng werden, weshalb der Favorit aus Österreich im Finish nicht eine Hundertstel herschenken wird.

  • Für Ted Ligety könnte es im Duell mit Marcel Hirscher eng werden,   weshalb der Favorit aus den USA im Finish nicht eine Hundertstel  herschenken wird.
    foto: epa/george frey

    Für Ted Ligety könnte es im Duell mit Marcel Hirscher eng werden, weshalb der Favorit aus den USA im Finish nicht eine Hundertstel herschenken wird.

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