Vertraute Distanz: Marie Alys Schau "Montamor"

12. Februar 2015, 17:13
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Die Künstlerin zeigt in der Neuen Galerie Innsbruck Malereien, Radierungen und Skulpturen

Bunt geht es zu in Marie Alys Bilderwelten: Drei bis vier Basisfarben mischen sich zu surrealen Farbreigen. Die Ausgangsfarben – Orange, Olivgrün, Neon- und Fleischtöne – sind nicht sonderlich attraktiv, aber bewusst so gewählt. Erst im Prozess des Malens entwickeln sie ihre Qualitäten, finden sich die Bilder.

Dieses intuitive Vorgehen charakterisiert Alys Werk generell: Sie beginnt ihre Ölgemälde direkt auf der Leinwand; es gibt keine Vorzeichnungen, keine Skizzen. Die Malereien der Berliner Künstlerin entstehen Schicht für Schicht. Oft arbeitet Aly an mehreren Bildern parallel, legt sie beiseite, um später weiter daran zu bearbeiten.

Dennoch lassen ihre Porträts klare kulturelle Bezugnahmen erkennen: die strenge Profilansicht und Flächigkeit etruskischer Vasenmalerei etwa oder Aura und Erhabenheit byzantinischer Ikonen. Alys Gestalten treten ernst auf, haben eine quasireligiöse Ausstrahlung und sind in ihren starren Posen auf sich bezogen. Sie sagen nichts, sondern präsentieren sich. Man erkennt in Alys Arbeiten volkskulturelle Einflüsse, wie etwa Versatzstücke von Trachtenstickereien und Pflanzenornamenti, aber auch das Kokettieren mit naiver Malerei (etwa die eines Niko Pirosmani). Das mag dafür ausschlaggebend sein, dass ihre Protagonisten bei aller Fremdheit und Distanz auch Vertrautheit und Nähe herstellen.

Montamor heißt die Schau, die durch ihre dichte Hängung geschickt auf die kabinetthaften Räume der Neuen Galerie Bezug nimmt. Auf den stoffbespannten Wänden werden neben den Malereien kleinformatige Radierungen in gebrauchten Rahmen präsentiert. So entsteht der intime Charakter einer Ahnengalerie. Erstmals zeigt Aly, die in Dresden Malerei und Grafik studierte, auch Skulpturen: Ihre grob modellierten Tonbüsten sind so auf einer Besucherbank platziert, als ob sie ihre "Verwandten" an den Wänden betrachten würden.

Manchen Besucher wird auch ein weiterer ortsspezifischer Bezug freuen: Aly hat Vlad Tepes (Drăculea) interpretiert. Dessen berühmtes Portrait ist unweit der Neuen Galerie in der Kunst- und Wunderkammer auf Schloss Ambras ausgestellt. (rog, DER STANDARD, 13.2.2015)

Bis 7. 3.

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Neue Galerie Innsbruck

  • Marie Aly: "Ungarin mit grünem Vogel" (2004)
    foto: neue galerie

    Marie Aly: "Ungarin mit grünem Vogel" (2004)

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