Draußen sein mit ... den Lawinenairbags von Mammut und Scott/Alpride

Kolumne15. Februar 2015, 15:00
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Airbags machen nicht unverwundbar, aber die "Schwimmhilfen" retten Leben

Weil hier regelmäßig über Compliance-Fragen debattiert wird: Die Frage, wie ein Besuch bei Freunden, die halt ein Hotel betreiben, zu deklarieren ist, könnte man lange auswalzen.

Ich halte es kurz: Eva-Maria und Markus Kegele-Walch sind a) Besitzer und Betreiber des "Hotel Mondschein" in Stuben am Arlberg, b) gute Freunde und haben mich c) eingeladen, nach meinem Aufenthalt in Lech bei ihnen abzusteigen. Und - no na - im Gelände Ski zu fahren. Das geht am Arlberg super - und in Stuben doppelt fein. Da Equipment zu testen ist irgendwie logisch. Punkt.

foto: thomas rottenberg
Eva-Maria und Markus Kegele-Walch

Zur Sache

Lawinenairbags sind im Gelände mittlerweile fast Standard. Als Peter Aschauer seine ABS-Rucksäcke vor 30 Jahren vorstellte, gab es noch Debatten. Heute ist unbestritten: Die "Schwimmhilfen" retten Leben. Weil Lawinen wie geschüttelte Cornflakespackungen funktionieren - und die Teile mit dem größten Volumen oben bleiben, leisten die per Druckluft (oder bei Black Diamond und Pieps per Elektromotor) in Windeseile aufgeblasenen Luftballons, unschätzbare Dienste.

Freilich: Airbags machen nicht unverwundbar. Die Chance in einer Lawine zum Beispiel erschlagen zu werden, ist real. Kein Hersteller redet das klein: Das Einmaleins von Ausbildung, von Stop-or-Go, Notfallausrüstung (Schaufel, Sonde, LVS) und Mut-zur-Umkehr gilt. Ausnahmslos.

Dass Technik manche Leute (anfangs) risikofreudiger macht, ist keine Freeride-Phänomen: Doch niemand käme auf die Idee, Nackenstütze, Gurte und elektronische Sicherheitssysteme aus Autos wieder auszubauen.

foto: thomas rottenberg
Airbag zünden.
thomas rottenberg

Modelle im Test

Nach Stuben brachte ich zwei Airbagmodelle mit (und trug beim Test einen ABS meiner Gastgeber): Den "Air Free 30 Pack" hatte mir Scott zur Verfügung gestellt. Der "Luftballon" kommt vom Schweizer Unternehmen "Alpride". Im Gegensatz zu anderen Gaskartuschen-Systemen verwendet Alpride zwei Kartuschen: CO2 sorgt für Volumen, Argon für Aufblastempo. Die Kartuschen sind nicht wiederauffüllbar.

foto: thomas rottenberg
Modell von Scott (außen und innen).

Auffällig ist die Positionierung der Zylinder: Mittig im Rucksack. Anfangs ist das beim Packen gewöhnungsbedürftig, aber angeblich sorgt das - und das Rekord-Leichtgewicht von 1,2 Kilo des Systems für einmaligenTragekomfort. Fakt ist: Sobald der Rucksack am Rücken ist, sind Gewicht, Handling oder Klobigkeit kein Thema. Das Airbagsystem ist mobil, lässt sich also von einem Rucksack in den nächsten "verpflanzen".

Ebendieses Prinzip bringt Mammut auch in der "Alyeska Protection Airbag Vest" zum Einsatz: Mammut verwendet Airbags von "Snowpulse". In die mir zur Verfügung gestellte "Weste" baute ich meinen eigenen Mammut-RAS-Protection-Airbag ein (RAS: "Removable Airbag System") - das dauerte keine zehn Minuten.

foto: thomas rottenberg
Modell von Mammut ("zerlegt").

Ein Gillet für rasche Rides

Das spannende an der "Weste" ist, dass sie eben kein Rucksack ist, sondern ein Gillet. Im Rückenteil findet neben Schaufel und Sonde kaum ein Müsliriegel Platz. "Nichts für Tagestouren. Ein Ding für Leute, die rasch ein paar Rides im Gelände machen", beschreiben auch die PR-Leuten die Weste als "netten Zusatz". Ideal für Leute wie meine Mondschein-Hoteliers: Die gehen in der Mittagspause rasch eine Stunde powdern.

Freilich: Zunächst waren wir skeptisch. Über eine "fette" Retro-Daunenjacke gezogen, sah das Teil schlicht grottig aus. Es engte ein, drückte, ging kaum zu - und machte den Träger zur Wurst. Als wir das Setting auf die "realistische" Kombi Hardshell-Midlayer änderten, war das kein Thema mehr: "Fühlt sich an wie ein Rückenprotektor", stellte Eva-Maria Walch-Kegele überrascht fest.

thomas rottenberg

Details fielen aber doch auf: Der Griff zum Auslöser muss bei jedem Airbag geübt werden - manche Hersteller nehmen mittlerweile auf Linkshänder(innen) Rücksicht. Und: Obwohl beide Airbags in puncto Funktionalität, Gewicht und Tragekomfort Höchstnoten bekamen und (bei beiden) nur das Fehlen der Notfall-Trillerpfeife in der Brust-Schnalle moniert wurde, bekam Mammut noch ein kleines Ästhetik-Minus: "Auch die schickste Jacke verschwindet halt unter der grauen Weste …" (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 15.2.2015)

thomas rottenberg
Eine Spaß-Abfahrt mit geöffnetem Airbag.

Getestete Modelle:

Scotts Air Free AP 30 Pack ist (mit Airbagsystem) online ab rund 600 Euro zu finden.

Mammuts Alyeska Protection Airbag Vest gibt es ohne Airbagsystem online um 160 Euro, mit Airbagsystem um etwa 500 Euro.

Links

www.mondschein.com

www.stuben.com

www.abs-airbag.com

www.blackdiamondequipment.com

www.pieps.com

www.scott.com

www.alpride.com

www.mammut.ch

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien:

Thomas Rottenberg besuchte in Stuben Freunde. Der Tourismusverband Stuben spendierte eine Liftkarte. Der Scott-Airbag und die Mammut-Weste wurden für den Test von den Herstellern zur Verfügung gestellt. Der getestete Mammut-Airbag stammt aus Rottenbergs eigenem Rucksack.

  • Das wahre Fitnesscenter ist draußen. Und der große Abenteuerspielplatz "Outdoor" zieht Kinder jeden Alters immer mehr in seinen Bann. Deshalb testet Thomas Rottenberg wöchentlich "Spielzeug", das für Spaß, Sport oder sonstwas im Freien gedacht und gemacht ist. Selbst, streng - und subjektiv.

    Im Sinne der Compliance-Regeln des STANDARD halten wir dazu fest: Die getesteten Teile wurden und werden uns in der Regel von den Herstellern und/oder ihren PR-Agenturen für einen beschränkten Zeitraum zur Verfügung gestellt. Andernfalls - etwa bei von Freunden Geborgtem, selbst Gekauftem, aus logistischen, verschleiß- oder verschmutzungstechnischen Gründen nicht Refundierbarem oder Dingen, die uns so gut gefallen, dass wir sie nicht mehr hergeben können/wollen, wird dies im Artikel angeführt.

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