Verleumdungsprozess in Wien: Telefonkabel und ein patscherter Postler

13. Februar 2015, 05:30
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Zwei Angeklagte sollen im Zuge eines Zivilprozesses den Rechtsanwalt der Telekom verleumdet haben. Beide leugnen und widersprechen sich

Wien – Seinem Mitangeklagten erbost "Heast, Oida" zuzurufen ist vor Gericht nicht der Weisheit letzter Schluss. Christian H., 28 Jahre alt und Postzusteller, macht es dennoch. Fühlt er sich doch vor Richterin Claudia Zöllner durch die Aussagen von Wilhelm E. ungerecht behandelt.

In dem Fall geht es um einen Brief an die A1-Telekom. E.s Gattin hatte das Unternehmen zivilrechtlich verklagt, da ein unterirdisches Telefonkabel den Wert ihres Grundstücks minderte, das wollte sie abgegolten haben.

Tatsächlich erhielt sie einen Zahlungsbefehl gegen die Firma, als das Geld nicht kam, wollte sie schon Exekution führen. Alleine: Die Telekom konnte nachweisen, den eingeschriebenen Brief mit der Forderung nie bekommen zu haben.

Fehlender Rückschein

Hier kommt Briefträger H. ins Spiel. Er hätte das Schreiben nämlich abliefern sollen, ist sich aber sicher, es nicht getan zu haben – denn der dazugehörende Rückschein war nicht mehr auffindbar. Es müsse in die Post für die Bank Austria gerutscht sein, sagte er auch vor dem Zivilgericht aus.

Was wiederum Familie E. empörte. Das könne nicht stimmen, sagt Zweitangeklagter E. auch heute. "Dann hätte das die Bank Austria ja am nächsten Tag zurückgegeben, wenn es nicht ihre Post war!" Sie vermuteten eine Verschwörung: Der Telekom-Anwalt müsse H. zu einer Falschaussage gebracht haben, sind sie überzeugt.

Ab hier gehen die Geschichten der beiden Angeklagten auseinander. Der Zusteller schildert es so: E. habe seine Telefonnummer herausgefunden, ihn mehrmals pro Woche angerufen und um ein Treffen gebeten, dem er schließlich zustimmte.

Drei Zeilen nicht durchgelesen

Dort habe ihm der 75-Jährige Zettel zur Unterschrift vorgelegt. Der Text bestand zwar nur aus drei Zeilen, durchgelesen habe er ihn trotzdem nicht, beteuert er zum Unglauben Zöllners. Denn er setzte seinen Namen unter die Behauptung, vom Anwalt zur Falschaussage angestiftet worden zu sein.

Seltsamerweise steht in dem Schreiben als Motiv für die angebliche Beeinflussung aber, diese sei nötig, damit Frau E. früher zu ihrem Geld komme. Was Zöllner korrekterweise komisch vorkommt: "Warum soll der Anwalt der Telekom das Gesetz brechen, damit die Gegenseite zu Geld kommt?"

Zweitangeklagter E. kann das nicht wirklich beantworten, sagt aber, der Erstangeklagte habe das so bestätigt. Wortreich und immer wieder die Richterin unterbrechend, erzählt der Pensionist auch, H. habe sich das Schreiben sehr wohl durchgelesen. Und der Briefträger habe den ersten Kontakt gesucht.

Freisprüche im Zweifel

Angeklagt sind jedenfalls beide wegen Verleumdung des Telekom-Anwalts. Ein Vorwurf, von dem sie am Ende nicht rechtskräftig freigesprochen werden. "Das ist mir zu wild", begründet Zöllner. "Wer hinter was steckt, kann ich mit der für ein Strafverfahren notwendigen Sicherheit nicht sagen."

Der Streit um das Kabel ist mittlerweile übrigens vom Obersten Gerichtshof entschieden worden, verrät der Telekom-Anwalt als Zeuge. Wie, sagt er aber nicht. (Michael Möseneder, derStandard.at, 12.2.2015)

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