US-Serie "Girls": Generation Y als Fernsehserie

13. Februar 2015, 05:30
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Die "Girls" haben das College hinter sich gelassen. In der neuen Staffel sind sie auf der Suche nach Jobs – nicht ohne Selbstverwirklichung. Achtung, Spoiler!

Liebe und Freundschaft – das sind ohne Zweifel zwei der wichtigsten Themen der US-Serie "Girls", geschrieben und produziert von Lena Dunham. Aber, und das ist nicht erst seit der vor wenigen Wochen gestarteten vierten Staffel so: Es geht auch um den Übergang ins Arbeitsleben, beruflichen Erfolg.

foto: evan agostini / ap
Staffel vier dreht sich nicht nur um Liebe und Freundschaft, sondern auch um die berufliche Zukunft der Girls – hier bei der Premiere im Jänner.

Seit der ersten Staffel kann man Hannah, Marnie, Shoshanna und Jessa dabei beobachten, wie sie versuchen, in der Arbeitswelt Fuß zu fassen. Was in den bisherigen Staffeln oft witzige Teilzeitjobs wie Marnies kurzzeitige Karriere als Hostess und Jessas Zeitvertreib als Babysitterin waren, hat sich mit der vierten Staffel in die Suche nach der großen Bestimmung gewandelt. Es gibt in dieser Staffel keine Figur, bei der der Übergang "ins richtige Leben" nicht mit Selbstfindung und Verwirklichung verbunden ist.

Was man nach den ersten vier Folgen an den jungen New Yorkerinnen ablesen kann, sind viele der typischen Eigenschaften, die der Generation Y zugeschrieben werden. Ein Überblick:

Wissen was man nicht will ...

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Shoshanna Shapiro (gespielt von Zosia Mamet) sucht nach dem College-Abschluss einen Job.

Shoshannas leisen Abgang von der Uni kann man spätestens bei ihrem ersten Vorstellungsgespräch nachvollziehen: Sie ist sich noch nicht sicher, in welche Richtung es beruflich gehen soll. Was sie weiß, ist, was sie nicht will. Wenn auch von vielen Kritikern und auf Blogs als total unrealistisch kommentiert, war ihr Vorstellungsgespräch beim Modelabel "Ann Taylor, LOFT" eines der bisherigen Highlights der Serie. Shoshanna bekommt die Stelle, lehnt aber selbstbewusst ab. Für sie sei das nur ein Trial-Run, ein Vorfühlen für ihre nächsten Vorstellungsgespräche. Das Unternehmen würde nicht zu ihr passen. Wenn auch überzeichnet – die Szene beschreibt den Trend, dass nicht mehr die Bewerberin oder der Bewerber um einen Arbeitsplatz wirbt, sondern das Unternehmen um den Kandidaten. Die Generation Y, so eine der vielen Zuschreibungen, weiß schließlich, was sie will, und vor allem, wie Shoshanna, was sie nicht will.

... auch auf Abwegen

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Die Hauptdarstellerin der Serie, Hannah (gespielt von Lena Dunham), kehrt New York den Rücken.

Für Hannah stand am Anfang der Serie eigentlich fest, dass sie endlich tun kann, was sie schon immer wollte. Der Umzug nach Iowa steht bevor, wo sie an einer Grad School kreatives Schreiben studieren wird. Nach einem für sie unbefriedigenden Jahr als gut bezahlte, aber gelangweilte Schreiberin beim Modemagazin "GQ" und einem erfolglosen Versuch, ein E-Book zu veröffentlichen, hat die Hauptdarstellerin der Serie nun ihren Weg und ihre Bestimmung gefunden. Zumindest für die ersten paar Folgen. Denn in Iowa lernt Hannah, dass sie sich in ihren Vorstellungen getäuscht hat, und bricht die Ausbildung nach kurzer Überlegung ab. Auch dieses Verhalten wird den ab 1980 Geborenen zugeschrieben: Die persönliche Entwicklung ist das höchste Gut, dafür nimmt man auch Risiken in Kauf und gibt Sicherheiten auf.

Träume verfolgen ...

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Marnie (Allison Williams) konzentriert sich voll aufs Showbiz.

Risiken geht in dieser Staffel auch die sonst so steife Marnie ein. Beflügelt vom Ratschlag ihrer Bettgeschichte aus Staffel drei konzentriert sie sich in dieser Staffel voll aufs Singen und träumt von einer Karriere im Showbiz. Dass Mitglieder der Generation Y Karriereverweigerer sind, trifft in der Serie zumindest auf die ehemalige Musterstudentin zu. Statt die Karriereleiter in der New Yorker Kunstszene als Galeristin hinaufzuklettern, kehrt sie der Branche frustriert den Rücken. Dass keine ihrer Freundinnen so wirklich von ihrem Gesang überzeugt zu sein scheint (legendär ihr Remix von Kanye West), hält Marnie nicht von ihrer Entscheidung ab, eine Platte aufnehmen zu wollen und ganz groß rauszukommen. Auf die innere Stimme zu hören und Träume, egal wie unrealistisch sie klingen mögen, zu verfolgen – eine weitere Entscheidung, die man der Generation Y eher zutraut als Älteren.

... und sich irgendwie selbst finden

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Jessa (Jemima Kirke) bleibt auch in Staffel vier das Enfant terrible und der Freigeist der Girls.

Bleibt nur noch Jessa. Die Ex-Drogenabhängige und der Freigeist der Serie glänzte auch in den bisherigen Staffeln dadurch, sich keine großen Gedanken zu machen. Jessa hegt Aggressionen gegen Ambitionen und treibt planlos durch ihr Leben. Was für sie zählt, ist, glücklich zu sein, womit sie sich in dieser Staffel nach einem Entzug bislang schwertut. Von den großen Plänen, die ihre Freundinnen schmieden, will Jessa nichts wissen und lässt sich auch nicht aus der Ruhe bringen. Karriere zählt für sie nicht, sondern Spaß und der Versuch, die Welt ein bisschen zu verändern. Dass das Projekt Selbstfindung auch in Chaos und Krisen enden kann, beweist Jessa immer wieder aufs Neue. Sie ist rastlos, will nirgends so richtig zu Hause sein und lieber die Welt sehen.

Die Boys bei Girls

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Zumindest in Staffel vier bislang selbstsicher unterwegs: die Männer bei "Girls".

Was bereits am Ende der dritten Staffel in Sachen Karrieren auffiel, sind der Erfolg und die Selbstsicherheit der männlichen Charaktere. Der sonst so planlose und verrückte Adam schafft den Einstieg als Schauspieler und ist nicht nur am Broadway, sondern auch in Werbesendungen zu sehen. Ray hingegen nimmt Abschied vom In-den-Tag-Hineinleben und steigt zum Manager des Cafés auf, in dem er bisher jobbte. Und Charlie, der Ex-Freund von Marnie, stieg schon am Ende von Staffel zwei als erfolgreicher Gründer und Millionär aus.

Während die Girls also noch immer mehr schlecht als recht nach ihren Berufungen und Berufen suchen, machen die Männer Nägel mit Köpfen. Eine Handlung, die ob der Absicht von Lena Dunham, starke junge Frauen in der Serie zu zeigen, verwundert. (Lara Hagen, derStandard.at, 13.2.2015)

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