Eurogruppe wartet gespannt auf Athens Vorstellungen

11. Februar 2015, 18:37
26 Postings

Griechischer Finanzminister ist zuversichtlich – Eurochef Dijsselbloem dämpft Hoffnungen

In Brüssel wollen die Finanzminister der Eurostaaten erstmals mit ihrem neuen griechischen Kollegen Yiannis Varoufakis die Lage erörtern und damit einen für Donnerstag geplanten informellen EU-Gipfel vorbereiten. Allerdings dämpfte Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem Hoffnungen auf eine schnelle Einigung mit Athen. Die Griechen halten bisher an der Forderung nach einem umfassenden Schuldenerlass fest. Das Hilfsprogramm mit harten Sparauflagen läuft noch bis Ende Februar. Wird keine neue Vereinbarung gefunden, droht Griechenland die Staatspleite. An der Athener Börse fiel der Leitindex um vier Prozent.

Varoufakis zuversichtlich

Der neue griechische Finanzminister Yiannis Varoufakis erklärte vor dem Sondertreffen der Eurogruppe Montagabend in Brüssel, er sei zuversichtlich, dass es ein konstruktives Treffen werde. Mehr war Varoufakis bei seinem ersten öffentlichen Auftreten in dieser Funktion nicht zu entlocken.

Sein luxemburgischer Amtskollege Pierre Gramegna war gesprächiger. "Ich erwarte mir heute ruhige Gespräche." Nach den vielen Medienberichten "gilt es jetzt einmal zu entdecken, was die griechische Delegation wirklich will". Er freue sich, dass die Sondersitzung endlich stattfinde. IWF-Chefin Christine Lagarde zeigte sich zurückhaltend. Es handle sich heute um einen Prozess, der erst beginne.

Schäuble: "Gespannt auf griechische Vorstellungen"

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble erwartet noch keine Ergebnisse zu Griechenland bei der Sondersitzung der Eurogruppe am Mittwoch in Brüssel. Vor Beginn der Beratungen sagte Schäuble, "aber vielleicht setzen wir das Verfahren auf", wie es weitergehe.

Jedenfalls gehe es nicht um irgendwelche roten Linien. Wenn Griechenland es wünsche, könnten mit der Troika Verhandlungen geführt werden. "Das war immer so. Aber wenn sie aus dem Programm rausgehen, sind wir ganz gespannt, welche Vorstellungen die Griechen haben."

Moscovici will Kommission als "ehrlichen Vermittler"

EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Pierre Moscovici will als "ehrlicher Vermittler" im Konflikt zwischen Griechenland und dem Rest der Eurozone agieren. Vor dem Sondertreffen der Währungsunion am Montag in Brüssel betonte Moscovici, es sei das Ziel, Griechenland in der Eurozone zu halten.

Dies sei "gemeinsames Interesse", auch des griechischen Volkes. Es gehe auch darum, einander zuzuhören. Der griechische Finanzminister Yiannis Varoufakis werde erstmals "Lösungen und Vorschläge vorlegen. Und wir werden die Reaktionen der anderen Länder und Institutionen innerhalb der Eurogruppe beobachten."

Schelling drängt auf Vorschläge Athens

Finanzminister Hans Jörg Schelling (ÖVP) drängt Griechenland zur Vorlage konkreter Vorschläge für die Schuldensituation des Landes. Erst dann könne beurteilt werden, ob solche Pläne richtig seien oder nicht. Es gebe aber "nur ganz wenige kurzfristige Wege": eine sei die Auszahlung der vergangenen Tranche. Allerdings, so Schelling, müssten dafür die Bedingungen des Hilfsprogramms von Griechenland eingehalten werden. Neue Programme könnten auch kurzfristig nicht so rasch gemacht werden. Dabei müssten auch die nationalen Parlamente befasst werden. "Daher schauen wir, ob die Vorschläge der Griechen solche sind, dass sie vom Wahlkampfmodus der vergangenen Wochen in den Arbeitsmodus übergegriffen haben." (APA/Reuters, 11.2.2015)

Share if you care.