Italiens Modewelt ist im Umbruch

11. Februar 2015, 17:11
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Die Unternehmerfamilie Marzotto aus Vicenza hat völlig überraschend sieben Prozent der Anteile an Hugo Boss zurückgekauft

In Italiens Modebranche geht es kunterbunt zu. Die Unternehmerfamilie Marzotto aus Vicenza hat völlig überraschend sieben Prozent der Anteile an Hugo Boss zurückgekauft. Einer der namhaftesten italienischen Luxusanbieter, Gianni Versace, strebt den Börsengang an. Und am Markt selbst ist viel in Bewegung: Bei der kürzlich zu Ende gegangenen Textilmesse Milano Unica ist die Zahl der Einkäufer zwar um mehr als fünf Prozent gesunken, die Geschäftsergebnisse waren jedoch so gut wie seit langem nicht mehr. Gekauft wurden vor allem sündteure Nobelstoffe wie Kaschmir und Seide.

Für insgesamt 500 Millionen Euro haben sich die Grafen Marzotto sieben Prozent am deutschen Herrenmode-Unternehmen Hu- go Boss gesichert. Es ist ein Comeback der Marzottos, die den Nobelschneider einst über ihre Familienholding Valentino Fashion Group (VFG) kontrollierten und diese dann dem britischen Private Equity Fonds Permira verkauften.

Dieser hat nicht nur das Imperium des römischen Luxusdesigners Valentino an die Sultan-Familie von Katar verkauft, sondern nun auch einen Teil seiner Beteiligung an Hugo Boss abgegeben. Die untereinander heftig zerstrittene Familie Marzotto ging beim Rückkauf der Hugo-Boss-Anteile allerdings keineswegs geeint vor.

Der 61-jährige Gaetano Marzotto, Präsident der Florentiner Modemesse Pitti, hat mit seinem Onkel Paolo und seinen Brüdern fünf Millionen Hugo-Boss-Aktien zum Preis von je 102 Euro erworben. Die Mailänder Investmentbank Mediobanca begleitete seinen Deal.

Ende des großen Ausverkaufs

Für Italiens Modeindustrie bedeutet der Rückkauf eines Teils der Hugo-Boss-Anteile eine Image-Verbesserung. Denn nachdem zahlreiche Modegrößen von ausländischen Unternehmen erworben wurden - man denke etwa an Gucci, Fendi oder Bottega Veneta - beginnen nun auch italienische Unternehmer auf dem Modemarkt finanziell wieder stärker mitzumischen.

Familie Versace hat jüngst den Börsengang angekündigt. Versace folgt damit den Luxusunternehmen Prada, Salvatore Ferragamo und Brunello Cucinelli, die in den vergangenen drei Jahren an die Börse gingen, jedoch weiterhin die Kontrolle über ihr Unternehmen behielten. Nicht nur Versace, auch der Herren-Nobelschneider Ermenegildo Zegna habe den Börsengang im Visier, heißt es in Mailand. Hier ist die Stimmung, kurz vor den Prêt-à-porter-Schauen Ende Februar besser als je zuvor: Das Geschäftsklima bei der vorangegangenen Stoffmesse Milano Unica sei, wie in der Branche zu hören ist, optimal gewesen. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 12.2.2015)

  • Die italienische Unternehmer- familie Marzotto nutzt den schrittweisen Ausstieg des Finanzinvestors Permira bei Hugo Boss zum Wiedereinstieg bei dem Modekonzern.
    foto: reuters/danish siddiqui

    Die italienische Unternehmer- familie Marzotto nutzt den schrittweisen Ausstieg des Finanzinvestors Permira bei Hugo Boss zum Wiedereinstieg bei dem Modekonzern.

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