Druck verteilt auf sechs Damenschultern

11. Februar 2015, 16:55
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Mit Anna Fenninger, Eva-Maria Brem und Kathrin Zettel stellt Österreich gleich drei Siegesanwärterinnen im RTL. Dabei ist die wohl schwierigste Disziplin seit ihrer Aufnahme ins Programm am wenigsten das Metier des ÖSV gewesen

Beaver Creek - Der Riesentorlauf, das ist eine Weisheit seit alters her, ist nicht das Metier der weiblichen Skifahrt Österreichs. In keiner anderen Disziplin reichte es so selten zu WM-Gold. Seit 1950, angefangen mit Dagmar Rom zufälligerweise in Aspen, Colorado, nur viermal. In diesem Jahrtausend holte bisher nur Nicole Hosp Gold, 2007 in Are beim Championat der Anja Pärson, die seinerzeit bei der Heim-WM nur in dieser Disziplin das Podest verpasst hatte.

Vor Hosp letzte österreichische Weltmeisterin war Alexandra Meissnitzer in Vail, und es wäre keine Überraschung, wenn die Salzburgerin am Donnerstag als ORF-Expertin ob eines österreichischen Riesentorlauferfolges an nahezu gleicher Stelle live ausflippen würde. Denn ausgerechnet in der einstigen Problemdisziplin protzt die ÖSV-Mannschaft mit zwei Saisonsiegerinnen: Anna Fenninger (Sölden) und Eva-Maria Brem (Aspen). Kathrin Zettel war wie Fenninger einmal Zweite, Brem noch zweimal Dritte. Nur Michaela Kirchgasser, die Vierte im Bunde, fährt in dieser Saison dem einschlägigen Podestplatz noch hinterher. Hosp hat ihre einstige Spezialdisziplin (fünf Siege im Weltcup) Ende 2012 endgültig aufgegeben. Nach ihrem Kreuzbandriss 2009 zum Saisonauftakt in Sölden hatte die Tirolerin nur noch einen Top-Ten-Platz geschafft.

Maze im Hintertreffen

Nach Gold in der Abfahrt und der Kombination sowie Silber im Super-G hinter Fenninger peilt Olympiasiegerin Tina Maze den nächsten Coup an, es wird aber vielleicht das bisher schwierigste Unterfangen der Slowenin. Denn bis auf ihren Sieg in Are hat die 31-Jährige im WM-Winter keinen weiteren Podestplatz geschafft. Fenninger und Brem punkteten dagegen wie US-Jungstar Mikaela Shiffrin mehrmals satter und führen daher sowohl die Weltcupwertung (Brem vor Fenninger) als auch die Rangliste (Fenninger vor Brem) vor Shiffrin an.

Die Formkurve spricht dagegen für Sara Hector. Die Schwedin hat nach Platz zwei in Aare zuletzt beim Semmering-Ersatzrennen im Kühtai ihren Premierenerfolg eingefahren - am 28. Dezember des Vorjahres. Eine siebenwöchige Bewerbspause ist vor allem für Spezialistinnen wie Hector und Brem ein Problem. Die Tirolerin gönnte sich daher eine einwöchige Auszeit mit Skitouren-Gehen und testete bereits Material für die nächste Saison. "Mir ist jedenfalls nicht langweilig geworden", sagt die 26-jährige Teamweltmeisterin. Der Einsatz am Dienstag sei für sie extrem wichtig gewesen. "Ich wollte den Riesen nicht so übermächtig wichtig werden lassen und bin sehr froh, dass es so toll geklappt hat. Jetzt ist der ganz große Druck weg."

Vor zwölf Monaten hatte Brem nach der Nichtberücksichtigung für Olympia ernsthaft überlegt aufzuhören. Nach einer Auszeit sowie intensiven Materialtests und Entwicklungen kehrte sie stärker zurück und überflügelte sogar die im Riesentorlauf dominierende Teamkollegin Fenninger. Als der Salzburgerin Serie nach fünf Weltcupsiegen en suite in Aspen riss, sprang Brem dort Ende November mit ihrem ersten Weltcuptriumph ein, siegte vor Zettel und der Italienerin Federica Brignone, einem Außenseitertipp für Donnerstag. "Gerne", sagt Brem, sei sie deshalb zur unmittelbaren WM-Vorbereitung nach Aspen zurückgekehrt. "Bei mir passieren immer Riesenfortschritte, wenn ich meine Arbeit in Ruhe erledigen kann." (APA, red, DER STANDARD, 12.2.2015)

  • Für Eva-Maria Brem kam das Druckabbau-Ventil Teambewerb wie gerufen.
    foto: reuters

    Für Eva-Maria Brem kam das Druckabbau-Ventil Teambewerb wie gerufen.

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