Memex: US-Behörde entwickelt Suchmaschine für das Dark Web

15. Februar 2015, 17:11
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Soll zugängliche, aber versteckte Inhalte finden und Ermittlungen erleichtern

Das Internet hat eine dunkle, unsichtbare Seite. Kaum auffindbar und in gesicherter Umgebung finden sich Seiten, wie beispielsweise Silk Road, ein einstiger Umschlagsplatz für Drogen, Waffen und andere Güter. Über Google und andere Suchmaschinen sind sie im Dark Web (auch: Deep Web) nicht zu entdecken.

Das will das DARPA, eine Behörde des US-Verteidigungsministeriums ändern, und arbeitet laut Wired seit einem Jahr am Projekt "Memex". Mit konventionellen Suchalgorithmen werden geschätztermaßen nur etwa fünf Prozent des Inhalts des Internets durchleuchtet. Memex soll eine bessere, vollständigere Karte des Webs liefern.

Versteckt, aber nicht versperrt

Dabei geht es nicht nur um normale Seiten, die von den üblichen Crawlern nicht entdeckt werden, sondern eben auch um Plattformen wie Silk Road, nur über das Anonymisierungsnetzwerk Tor zugänglich sind. Und auch das oft nur, wenn man die genaue Adresse bereits kennt. Dazu will man unter anderem herausfinden, für wie viel Tor-Traffic derlei Seiten eigentlich verantwortlich sind. Die Schätzung ist, dass zu jeder Zeit zwischen 30.000 und 40.000 solcher Adressen online sind.

Memex nutzt den Umstand, dass diese Inhalte vom Prinzip her öffentlich, aber eben nicht sichtbar sind. Man versucht, eine Software zu bauen, die diese Inhalte findet und öffentlich macht. Statt aus den Ergebnissen nur einen Index zu bauen, sollen sie aber auch analysiert werden, um Zusammenhänge zu entdecken, die künftig für Gesetzeshüter, das Militär oder auch Privatfirmen von Nutzen sein könnten.

Testfall Menschenhandel

Acht Partner erproben das System bereits, wobei man sich jeweils auf einen Themenbereich konzentriert. Derzeit etwa Menschenhandel. In einer Demonstration gegenüber der TV-Sendung 60 Minutes (CBS) zeigte man, wie Memex helfen könnte, die Bewegungen von Menschenhändlern und ihren Opfern nachzuverfolgen, basierend auf Daten aus Onlinewerbung für Sex-Angebote.

Die Verlagerung einer Anzeige von einer IP zu einer anderen könnte Behörden beispielsweise aufzeigen, wo sich ein Menschenhändler befindet. Wichtiger als IPs sind allerdings andere potenziell auftauchende Datenpunkte wie konkrete Straßenadressen oder Telefonnummern in der Angeboten selbst oder der geografische Standort des Gerätes, von dem aus sie geschalten wurde.

Technische Grundlage

Freilich sind diese Informationen meist kein direkter Treffer. Das sei auch gar nicht das Ziel. Memex solle eine technische Basis liefern, Organisationen wie Kriminalbehörden sind selber dafür verantwortlich, sie zu ihren Zwecken einzusetzen. Wieviel die Entwicklung kostet, verraten die Entwickler derweil nicht im Detail. Der Betrag soll sich aber im Bereich anderer Datenwissenschafts-Unternehmungen bewegen, die mit zehn bis zwanzig Millionen Dollar veranschlagt werden. (gpi, derStandard.at, 15.02.2015)

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