Wiener Prater: Flüchtlinge und Touristen unter einem Dach

Ansichtssache11. Februar 2015, 16:11
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Am Valentinstag wird man im neuen Caritas-Hotel im Wiener Prater erstmals einchecken können. Es handelt sich um das erste Hotel Österreichs, das von Flüchtlingen betrieben wird

Wien - Touristen und Flüchtlinge haben viele Gemeinsamkeiten. Um die Nutzung dieser Synergieeffekte - wie etwa Sprache, Kultur, Mobilität und Weltoffenheit - dreht sich alles im neuen magdas hotel in der Laufbergergasse im Wiener Prater. Kommenden Samstag, zum Valentinstag, wird das von der Caritas betriebene Hotel, in dem Touristen und Asylwerber unter einem Dach leben sollen, erste Gäste empfangen.

"Das magdas ist ein Hotel mit sozialem Mehrwert", sagte Michael Landau, Präsident der Caritas Österreich, bei der Pressekonferenz am Mittwoch zum Standard. "Unser Bekenntnis ist: Wer hier legal lebt, der soll hier auch legal arbeiten dürfen. Daher bieten wir den hier wohnenden Flüchtlingen einen fixen Arbeitsplatz und somit auch eine Perspektive für die Zukunft." Für Bürgermeister Michael Häupl (SP) sei dieses "Projekt des Miteinanders ein Symbol für Toleranz und für all das, wofür ich Wien liebe".

Vanillegelbe Badezimmerfliesen

20 der 25 Mitarbeiter im neuen Vintage-Hotel, das mit seinen farbgewalzten Wänden und vanillegelben Badezimmerfliesen an Omamas Gästezimmer erinnert, sind Flüchtlinge aus 16 Nationen. Viele davon haben bereits Hotellerie-Erfahrung. Die restlichen fünf Mitarbeiter sind Branchenprofis. Ab Herbst sollen zudem ein paar unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im bislang unbesternten Hotel eine Ausbildung starten.

Finanziert wurde das Hotelprojekt von der Caritas-Social-Business-Unit und über Crowdfunding. Das Investitionsvolumen für die Revitalisierung des Sechzigerjahrehauses und den Umbau der insgesamt 78 Zimmer (Planung AllesWirdGut Architekten) beläuft sich auf 1,5 Millionen Euro.

Temporäre Nutzung

Das Zwischennutzungsprojekt mit seinen kreativ umgenutzten Upcycling-Möbeln ist für fünf Jahre anberaumt. Danach soll das Haus abgerissen werden und einem Neubau für pflegebedürftige Senioren weichen. magdas-Projektleiter Clemens Foschi: "Jetzt schauen wir mal, wie es läuft. Das ist ein Pilotprojekt. Und wenn das Konzept aufgeht, dann werden wir uns früh genug überlegen, ob wir an diesen Plänen festhalten werden oder nicht." (Wojciech Czaja, DER STANDARD, 12.2.2015)

foto: apa/neubauer
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