Telekom Austria legt tiefrote Bilanz vor

11. Februar 2015, 09:35
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Deutlicher Rückgang bei Mobilfunkkunden in Österreich, Dividende soll stabil bleiben, jetzt wird der Konzern auf Wachstum getrimmt

Wien/Mexiko-Stadt - Die Telekom Austria hat wie erwartet 2014 einen deutlichen Verlust eingefahren. Der "Jahresüberschuss" drehte von plus 52,1 Mio. Euro auf minus 185,4 Mio. Euro, das operative Ergebnis (Ebit) verschlechterte sich von plus 318,2 auf minus 3 Mio. Euro, der Umsatz gab um vier Prozent auf 4,02 Mrd. Euro nach.

Bei den Mobilfunkkunden in Österreich musste die Telekom (A1) nach mehreren Preiserhöhungen und einer Reduktion der Stützungen für Handys bei Vertragsabschluss ein Kundenminus von 5,1 Prozent auf 5,42 Millionen Nutzer verkraften. Dafür legten zuletzt die Kundenumsätze zu, sie betrugen im Schlussquartal 16,5 Euro je Monat und Mobilfunkkunde, im Jahr davor waren es 15,7 Euro. Beim Festnetz konnte die Kundenzahl mit 2,29 Millionen konstant gehalten werden.

Weniger Umsatz

Der Umsatz in Österreich ging 2014 um sieben Prozent zurück, der Jahresüberschuss blieb hingegen stabil. Der Mitarbeiterstand in Österreich sank um 1,9 Prozent auf 8635 Beschäftigte. Den Ausblick für das heurige Jahr ließ Telekom-Chef Hannes Ametsreiter stabil. Die Dividende bleibe bei 0,05 Euro je Aktie, das Umsatzwachstum sieht er bei zwei Prozent. Die Bilanz ist der erste Jahresabschluss unter Kontrolle des Mehrheitseigentümers America Movil des mexikanischen Multimilliardärs Carlos Slim.

Im vierten Quartal hatte sich der Konzernverlust reduziert. Lag der "Jahresüberschuss" im Schlussquartal 2013 noch bei minus 107,1 Mio. Euro, betrug er 2014 nur mehr minus 48,9 Mio. Euro. Gleichzeitig sank das Betriebsergebnis von minus 26,6 auf minus 39,8 Mio. Euro.

Wachstumsdruck

Unter der der Obhut ihres neuen Mehrheitseigentümers America Movil muss der heimische Telco im laufenden Jahr wohl Umsatz und Ergebnis steigern. Wie das gehen soll, beschreibt das Unternehmen so: Mit anziehenden Geschäften in Osteuropa und steigenden Mobilfunkeinnahmen in Österreich sollen die Erlöse um zwei Prozent wachsen. Und das, nachdem sie im Vorjahr um vier Prozent auf rund vier Milliarden Euro geschrumpft sind Auch bei den bereinigten operativen Erträgen (Ebitda) plant der österreichische Marktführer eine Steigerung. Im vergangenen Jahr waren sie bei rund 1,29 Milliarden Euro stagniert. "Nach jahrelanger Durststrecke geht es erstmals wieder aufwärts", ist Firmenchef Hannes Ametsreiter positiv gestimmt.

In den vergangenen Jahren hat der Telekom Austria unter anderem ein ruinöser Wettbewerb im Mobilfunkgeschäft in Österreich und Osteuropa zu schaffen gemacht. Außerdem hat eine 400 Millionen Euro hohe Abschreibung in Bulgarien die Kapitaldecke ausgedünnt - sie führte im vergangenen Jahr zu einem Verlust von gut 185 Millionen Euro. Um das Loch zu stopfen, investierte der neue Mehrheitseigentümer - der mexikanische Milliardär Carlos Slim - über seine Firma America Movil im Herbst gemeinsam mit weiteren Aktionären rund eine Milliarde Euro über eine Kapitalerhöhung. Einen Teil des Geldes will die Telekom nun für den Breitbandausbau in Österreich und mögliche Zukäufe verwenden.

Das ist ganz im Interesse des neuen Eigentümers, der auf Einkaufstour in Europa ist: "Ich denke, wir stehen am Beginn einer mehrjährigen Konsolidierung am europäischen Telekom-Markt", hatte America-Movil-Finanzvorstand Carlos Garcia Moreno kürzlich gesagt. "Da wird es sicher die eine oder andere gute Chance auf Zukäufe geben." Slim hält rund 60 Prozent an der Telekom, die neben Österreich unter anderem in Bulgarien, Weißrussland und Kroatien vertreten ist.

Steigende Preise

Profitieren konnte das Unternehmen im vergangenen Jahr nicht nur von dem Eigentümerwechsel, sondern auch von steigenden Mobilfunkpreisen in Österreich. Dort ließ der Preiskampf nach, nachdem sich die beiden kleineren Wettbewerber Hutchison und Orange Austria zusammengeschlossen hatten. Die Zahl der Anbieter mit eigenem Mobilfunknetz sank damit auf drei von vier. Zudem gewährte die Telekom ihre Kunden keine so hohen Rabatte mehr für Mobilfunkgeräte.

Das Unternehmen hofft nun, dass der Preiskampf auf dem Heimatmarkt nicht wieder aufflammt, nachdem sich zum Jahreswechsel mehrere Quereinsteiger in die Netze der Konkurrenten eingemietet hatten. Dies sei ein "zusätzliches Risiko", hieß es im Quartalsbericht.

Um den operativen Gewinn zu steigern, will die Telekom ihre Kosten im laufenden Jahr um etwa 90 Millionen Euro senken. Bereits in den Vorjahren hatte die Firma Sparprogramme gestartet, um einen Teil der Einbußen durch eine strengere Regulierung auszugleichen. Die Aktionäre sollen für 2014 und 2015 eine Dividende von fünf Cent je Anteilsschein erhalten, bekräftigte das Unternehmen. (APA/Reuters/red, derSTandard.at, 11.2.2015)

  • Der heimische Konzern wird jetzt unter dem neuen Eigentümer auf Wachstum getrimmt.
    foto: reuters/foeger

    Der heimische Konzern wird jetzt unter dem neuen Eigentümer auf Wachstum getrimmt.

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