Konfetti selber machen

12. Februar 2015, 15:00
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Selbstangefertigt versus gekauft

foto: lukas friesenbichler

Pro
Von Ljubiša Tošić

Keine Ahnung, ob das Ende allen Wirtschaftswachstums naht, ob der ganze Papiergeldladen bald explodiert und die gute alte Tauschwirtschaft den Alltag okkupiert. Ein Huhn für eine Kinokarte quasi. Wie auch immer: Eine kleine symbolische Übung in der Kunst der Selbstversorgung, des Selbstanfertigens von Basisgütern schadet nicht. Es müssen mit dem Locher ja nicht gleich jene Berge gestanzt werden, die ganze Konfettikanonen füllen. Den Dingern ist sowieso nicht zu trauen. Bei einer Basler Fastnacht 2008 etwa wurde eine Frau durch eine aus der Papierwaffe herausfliegende Eisenstange verletzt. Selbige war beim Konfettistopfen in der Kanone vergessen worden.

Für kanonenfreie Privatfeste, bei denen der Papierschnee Freude bereitet, sind die Ausmaße der Stanzarbeit wohl aber bewältigbar. Die Mühe wird vom Beschenkten als Akt der Zuneigung goutiert. Nebstbei kann verfängliches Aktenmaterial entsorgt werden. Und Propheten der nahenden Finanzapokalypse beweisen ihre Glaubensfestigkeit, indem sie aus ihrem Papiergeld einfach Konfetti machen.

Kontra
Von Doris Priesching

Wie jetzt? Ist das wieder so ein neuer Trend? Wie Wollhäubchen stricken? Oder Brot selber backen? Wenn dem so ist - und es spricht einiges dafür - kann man dem getrost misstrauen. Es müssen schon richtige Narren sein, die sich mit dem Locher zum Papier setzen und Löcher darin stanzen, auf dass sie es hernach in die Höhe werfen, nur weil es gerade angesagt ist. Wollhäubchen, Brot und Konfetti gibt es in jeder Menge und Qualität zu erwerben. Wir Konsumenten sollten tun, was unsere Natur uns sagt: kaufen.

Mir persönlich macht die närrische Zeit grundsätzlich Angst, weil in ihr das Diktatorische wohnt: Sei lustig! Das löst augenblicklich schlechte Laune aus, vielleicht auch deshalb, weil üble Erinnerungen aufkommen. Des Verkleidens und Konfettischmeißens gänzlich unbegabt, war ich ein einziges Mal bei einer Faschingsveranstaltung, die auf dem Land den Namen Gschnas trägt. Mein Kostüm hieß "Nana Mouskouri" und war hübsch anzusehen. Niemand erkannte es, ich erhielt ob meiner faden Frisur und der Krankenhausbrille mitleidige Blicke. Ich hasse den Fasching. (Rondo, DER STANDARD, 13.2.2015)

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