Moderne Laserbehandlung für nepalesische Gottheit

15. Februar 2015, 19:36
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An einer klebrigen Schicht auf reliefverzierten Steintoren in Nepal scheiterten alle gängigen Restaurationsmethoden - bis Wiener Forscherinnen zum Laser griffen

Patan/Wien - Der Monsunmonat August ist nicht die empfohlene Reisezeit für das Weltkulturerbe Kathmandu Valley in Nepal. Aber das Team des Instituts für Konservierung und Restaurierung der Universität für angewandte Kunst Wien lässt sich so leicht nicht abschrecken: "Wir sind auf schwierige Bedingungen geeicht seit unserem Engagement im nordindischen Nako", sagt Institutsleiterin Gabriela Krist. Die Tempelrestaurierung in einem abgelegenen Himalayadorf war eine gute Vorbereitung für das aktuelle Auslands-Engagement der Wiener Restauratoren.

Seit 2010 fliegt einmal im Jahr ein Team der Angewandten in die historische Königsstadt Patan - auf Anfrage des Kathmandu Valley Preservation Trust und unterstützt vom Eurasian Pacific Uninet. An der Anlage aus dem 17. Jahrhundert im erdbebengefährdeten und regenreichen Gebiet gibt es immer etwas zu tun. 2012 bis 2014 widmeten sich Marija Milchin, Werkstättenleiterin Steinrestaurierung, und die Diplomandin Katharina Fuchs zwei beschädigten Steintoren.

Vor rund 60 Jahren hatte jemand einen Kübel Teer zur Hand genommen und die reliefverzierten Sandstein-Bögen mit einer wasserabweisenden Bitumenschicht überzogen. Ob zur Konservierung oder Verschönerung ist unbekannt. Eine Wirkung hatte der Überzug jedenfalls: Er störte den Wasserhaushalt des Steins.

"Jeder Stein ist anders", sagt Milchin, weshalb zunächst winzige Stücke aus den Fugenflächen mikroskopiert und mit Material aus einem Steinbruch abgeglichen wurden. Um den bestgeeigneten Mörtel für den geplanten Wiederaufbau der Tore auszutüfteln, kaufte Fuchs gängiges Baumaterial ein. Weitergehende Analysen zeigten, dass der lokale Sandstein besonders saugfähig ist und langsam trocknet.

Bürsten, Baden, Bestrahlen

Erste Reinigungsversuche wurden vor Ort mit Aceton als Lösemittel durchgeführt, doch der Belag blieb. Zurück in Wien bestrichen die Restauratorinnen Vergleichsquader mit Bitumen aus dem Baumarkt und testeten verschiedene Reinigungsverfahren: Fluten, Bürsten, Baden und Bestrahlen mit Infrarot und UV-Licht. Nichts half. "Von Gemälden kennen wir Asphaltfarben. Diese werfen viele restauratorische Probleme auf, aber auf Gestein ist uns diese Substanz noch nie untergekommen", sagt Krist.

Als sämtliche gängigen Methoden aus der Literatur versagten, entschieden sich die Forscherinnen für einen unkonventionellen Weg: Laserstrahlung. Das Bundesdenkmalamt setzt seit Jahren erfolgreich einen Rotlicht-Festkörper-Laser ein. Zum Beispiel werden damit anorganische Überzüge wie Staub oder Kalk- und Gipskrusten von heimischen Sandsteinmonumenten wie dem Stephansdom entfernt.

Bei ersten Tests stellte sich heraus, dass nur wenige Sekunden Laserstrahlung mit 1064 Nanometer Wellenlänge ausreichten, um den hartnäckigen organischen Überzug zu verdampfen. 2013 kam zunächst ein leistungsschwaches Gerät zum Einsatz. "Stromausfälle stehen an der Tagesordnung, wir wollten den Generator nicht überfordern", sagt Milchin.

Rituale und Räucherstäbchen

Für die Arbeiten wurde ein Zelt über dem betreffenden Mauerstück aufgebaut, Mundschutz und Schutzbrille waren Pflicht. Allerdings ist der Palast in Patan kein abgeschottetes Kulturdenkmal, sondern ein buntes, belebtes religiöses Zentrum mit Ritualen, spielenden Kindern, streunenden Hunden, Butterlampen und Räucherstäbchen. So kam es immer wieder vor, dass neugierige Nasen die Restaurierungsarbeiten ohne Schutzausrüstung inspizierten.

2014 rückte das Team mit einem stärkeren Laser an. Anfangs verteilte dieser Stromschläge, so wurde eine Erdung gebastelt. Nach einem Entsalzungsbad wurden die Blöcke mit einem eigens entwickelten Mörtel verfugt. Die Tore stehen heute auf einem Fundament und wurden so eingebaut, dass ein Luftstrom die Feuchtigkeit abtransportiert. Das sollte ausreichen, um sie zu erhalten.

Ein Paper über die Tätigkeit in Patan wurde bereits bei einer Konferenz präsentiert. Die Beseitigung von organischen Überzügen auf Stein hat ein neues Einsatzgebiet eröffnet: Mit Laser könnten vielleicht auch Kunstharz-Überzüge entfernt werden. Sie wurden lange in der Konservierung eingesetzt - könnten aber künftig mehr schaden als nützen. (Astrid Kuffner, DER STANDARD, 11.2.2015)


Wissen
Die Arbeit heimischer Restauratoren in der Palastanlage von Patan/Nepal geht zurück auf das Engagement von Eduard Franz Sekler, gebürtiger Wiener und emeritierter Professor für Architekturgeschichte in Harvard. Auf der Startseite des 1997 eröffneten Patan-Museums wird der Österreichischen Bundesregierung explizit für die Zusammenarbeit gedankt. Thomas Schrom, stellvertretender Leiter des Kathmandu Valley Preservation Trust, bedauert, dass in den vergangenen Jahren keine weiteren Projekte zur Denkmalpflege verfolgt bzw. die Finanzierung eingestellt wurde. Das Goldene Tor am Museumseingang zu restaurieren hielte Schrom zum zwanzigjährigen Jubiläum des Museums für ein schönes Signal. (aku)

  • Das Steintor in der historischen Königsstadt Patan in Nepal wurde mit Laser gereinigt. Das Relief zeigt eine Gottheit aus dem Shakti-Kult, in dem eine göttliche, weibliche Kraft verehrt wird.
    foto: universität für angewandte kunst wien

    Das Steintor in der historischen Königsstadt Patan in Nepal wurde mit Laser gereinigt. Das Relief zeigt eine Gottheit aus dem Shakti-Kult, in dem eine göttliche, weibliche Kraft verehrt wird.

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