Wie Österreich noch das Nachsehen haben könnte

11. Februar 2015, 07:01
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Mehr Österreicher sollen das Nachsehen haben: Das wünscht ihnen ein Unternehmer aus Ried im Innkreis. Nur: Das Urheberrecht hat etwas dagegen, dass Kabelbetreiber TV-Programme zentral speichern und auf Abruf bereitstellen. In der Schweiz funktioniert das

Ried im Innkreis/Wien - Schon gut ein Jahrzehnt verfolgt Hans Kühberger, 46, seine Idee: Ein zentraler Server speichert die kompletten Programme von Dutzenden Fernsehsendern. Und wenn einer seiner Kabelkunden das Nachsehen haben will, ruft er das gewünschte Programm in der Zentrale ab.

Ocillon IPTV Technologie heißt das Unternehmen, das er dafür schon Ende 2004 gegründet hat. Seit 2001 hat die Schwesterfirma Infotech Ried im Innkreis glasfaserverkabelt, zunächst als Internetprovider für Unternehmen. Beide Firmen gehören Kühberger, eine ganz, eine mehrheitlich.

In Ried im Innkreis läuft sein zentrales Catchup-Angebot seit Jahren. Aber nur, weil die "paar Tausend" Kunden als Testbetrieb durchgingen, durch unter dem Urheberrecht vor allem. Das erlaubt zwar so genannte "Privatkopien" von Fernsehsendungen. Aber die muss, wenn es in größere Dimensionen geht, beim Nutzer entstehen.

Wie bei anderen Kablern, die längst Catchup-TV etwa über sieben Tage anbieten. Über ihre Festplattenrecorder im Haushalt und dezentral, wie man etwa beim Riesen UPC betont.

Die "Breitbandmilliarde" zum Ausbau schneller Verbindungen freilich lässt Kühberger seit 2014 einen neuen Anlauf für sein System unternehmen.

Westwärts

Er blickt da unverdrossen hoffnungsfroh nach Westen: In der Schweiz können Netzbetreiber Programme zentral speichern, bestätigen Experten des Bundesamts für Kommunikation auf Anfrage des Standard. Die Funktion, dort unter "Replay" bekannt, kostet extra und generiert Urheberrechtsabgaben in zweistelliger Millionenhöhe. Kühberger exportiert sein System übrigens munter in die Schweiz.

Mit den Schweizer Daten im Gepäck und der Breitbandmilliarde im Sinn sieht Kühberger nun einen potenziellen Schub für die Kabelkundschaft - die seit Jahren im Wesentlichen stabil bleibt. Breitbandausbau auf dem flachen Land könnte mit dieser Funktion Sat-Seher zu Kabelkunden machen, argumentiert Kühberger.

Und was hat er gegen lokale Speicherung im Haushalt - abgesehen vom Interesse, sein zentrales System zu vermarkten? Das koste Energie und fördere Gerätehersteller in Fernost, sagt er. Und: Bevor internationale Catchup-Dienste den Markt komplett besetzen, sollten das doch besser österreichische Unternehmen tun.

der Standard erkundete seit Herbst, ob das Thema überhaupt bekannt und eines ist - im für Medien zuständigen Kanzleramt und im Justizministerium, das seit langem an Novellen zum Urheberrecht arbeitet. Nach mehreren Anfragen hieß es zuletzt im Justizministerium, Kühberger habe inzwischen einen Termin mit dem zuständigen Sektionschef.

ORF winkt ab

Nur: Das Interesse von Sendern, dass andere ihre Programme speichern, wirkt überschaubar. Beim ORF heißt es auf Anfrage: "Das Modell ist in Österreich aus urheberrechtlichen Gründen nicht umsetzbar. In der Schweiz, die nicht dem europäischen Rechtsrahmen unterliegt, gelten hier andere Richtlinien. Der ORF kann Dritten keine Lizenzrechte einräumen, über die er selbst nicht verfügt. Allfällige Änderungen im Urheberrecht obliegen dem Gesetzgeber und sind immer auch mit den entsprechenden europäischen Richtlinien abzustimmen."

Der ORF (und andere Sender) vermarkten Programme selbst über werbefinanzierte Mediatheken und kostenpflichtige Abrufportale. (fid, DER STANDARD, 11.2.2015)

  • Neuer Anlauf für zentrale TV-Speicher: Kühberger.
    foto: privat

    Neuer Anlauf für zentrale TV-Speicher: Kühberger.

  • In Ried im Innkreis läuft sein zentrales Catchup-Angebot seit Jahren.
    foto: kühberger

    In Ried im Innkreis läuft sein zentrales Catchup-Angebot seit Jahren.

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